Sie ist ein zweibeiniger Vielbeiner, krabbelt, fliegt und summt dabei. Schillernd glänzt ihre Chitin-Panzerung im Sonnenlicht. Das Tier, dessen Flugziel stets Halm und Blatt sind, ist neugierig und kommuniziert ohne jede Scheu mit Heuschrecken, Borken-, Mist- und Rosenkäfern und «Pick», der sirrenden Stubenfliege. «Wie schön! Wie wunderschön!» jubiliert die kleine Biene Maja beim Steuern durch die vitale Natur, nachdem sie zum ersten Mal ihren Stock verlassen hat. Das war vor 100 Jahren. Da sieht sie noch nicht die Gefahren, die von Kreuzspinne, Libelle oder Hornisse ausgehen. Kindlich ungehemmte und frohe Naturerkundung steht im Vordergrund.
Die Biene Maja ist sympathisch und verzaubernd dazu, so viel gebündeltem Frohsinn kann man nicht entkommen. Bis heute fasziniert das fragile Geschöpf in seiner ästhetischen Schönheit inmitten einer Idylle, die man jedem Kind wünscht. Natürlich auch weil sie menschelnd heranschwebt, plappert, errötet, lächelt und sogar vor Entzücken in die Hände klatscht.
An einem warmen Frühlingstag
Im Tierroman «Die Biene Maja und ihre Abenteuer» von Waldemar Bonsels (1880–1952), erstmals erschienen 1912 und sofort ein Erfolg, setzt die Handlung an einem warmen Frühlingstag in einer äusserst angenehmen Landschaft ein. Die Leser und vor allem jene, denen vorgelesen wurde, waren und sind bis heute begeistert.
1975 startete die japanische Zeichentrickserie mit ihren 52 Folgen. In der Fassung sang der tschechische Schlagersänger Karel Gott das Lied, das Karel Svoboda komponiert hatte und das die meisten deutschsprachigen Kinder bis heute kennen.
Allerdings ist das Insekt restlos seines arttypischen Verhaltens beraubt worden. Die Japaner überliessen dem US-amerikanischen Zeichner Marty Murphy die Gestaltung. Und der verlieh dem kleinen Flatterer das stupsnäsige Gesicht eines Mädchens, menschliche Arme und Füsse. Den pummligen Körper schob er in einen gelb-schwarz geringelten Rock. Der Hauptdarstellerin und den Nebenfiguren ist Denken und Fühlen angehaftet, sie haben Launen, finden andere sympathisch oder schrecklich. Es ist die gelungene Mischung aus Neugierde, Schüchternheit, Frechheit, Abenteuerlust und Schlauheit, die das kecke Geschöpf eines seinerzeit bekannten deutschen Schriftstellers, von dem alle anderen Bücher längst vergessen sind, immer wieder auf die Klatschmohnwiese und an andere Orte führt.