Dokumentarfilm
Aktualisiert am 23.02.12, um 07:03 von Hans Jürg Zinsli
 

Auf den Spuren der Wiesenberger Hobby-Jodler

Trailer zum Film «Die Wiesenberger»
Quelle: youtube.com
Mit «Die Wiesenberger» versuchen Bernard Weber und Martin Schilt den Erfolg der Hobbyjodler aus der Innerschweiz nachzuzeichnen. Der Erkenntnisgewinn aus diesem Film bleibt dabei bescheiden. von Hans Jürg Zinsli
 

Zwanzig Jahre war für das Wiesenberger Jodelchörli oberhalb des Vierwaldstättersees die Welt in Ordnung. Gut zwei Dutzend Männer zwischen 18 und 71 probten einmal die Woche in der Bergkapelle Wirzweli, juizten an Hochzeiten und Geburtstagsfesten und gingen ansonsten ihren angestammten Berufen als Landwirte oder Handwerker nach.

Dann, 2007, wagten sich die Wiesenberger ins Tal hinab – und schossen die Charts empor: «Mey Freyd» eroberte auf Anhieb Platz 4 der Schweizer Hitparade. Ein Jahr später holte «Das Feyr vo dr Sehnsucht» im Duett mit Francine Jordi Platz 1 und siegte 2009 in der TV-Show «Die Grössten Schweizer Hits».

Geduld ist gefragt

Die Auswirkungen dieses Erfolgs will nun der Dokumentarfilm «Die Wiesenberger» ergründen. Allein, bis es dazu kommt, muss man sich als Zuschauer gedulden. Die Regisseure Bernard Weber und Martin Schilt vertrödeln die erste Hälfte ihres Films damit, diesen oder jenen Protagonisten mit diesen oder jenen Sorgen und Ansichten zu porträtieren.

Das ist verschenkte Zeit, da die eigentliche Zerreissprobe fast zur Nebensache verkommt: Als die Wiesenberger 2010 zur Weltausstellung in Schanghai sollen, muss zuerst im Vereinslokal abgestimmt werden. Die Hälfte der Jodler will nach Asien, die andere Hälfte nicht.

Was folgt, sind hitzige Argumente für und wider den Ausflug, für und wider den Chor, für und wider das Heu, die Familie, die Tradition. Ein zähes Ringen, das die Filmemacher ebenso zufällig streifen wie das spezielle Geschlechterverhältnis zwischen den singenden Männern und ihrer Dirigentin.

Erkenntnis bleibt bescheiden

Stattdessen zeigt der Film, wie sich einzelne Mitglieder vor der TV-Show der «Grössten Schweizer Hits» mit allerlei Prominenz ablichten lassen, wie Polo Hofer im Fernsehstudio gemeinsame Songaufnahmen in Aussicht stellt (und dies auch einlöst) und wie nach dem Triumph auf den Tischen zu AC/DC getanzt wird. Dass dabei just Duettpartnerin Francine Jordi durch konsequente Abwesenheit glänzt, wird mit keinem Wort erwähnt.

Stattdessen werden die Wiesenberger als bodenständige Antistars vorgeführt, die beim Filmfinale in Schanghai zu wandelnden Klischees der Völkerverständigung verkommen. Der Erkenntnisgewinn aus diesem Film bleibt entsprechend – bescheiden.

Die Wiesenberger (CH 2012), 90 Min. Regie:Bernard Weber, Martin Schilt. Mit: den Wiesenberger Jodlern

(az)
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