Ausstellung
Aktualisiert am 10.01.12, um 06:00 von Sabine Altorfer
 

Das Landesmuseum in Zürich zeigt Pressebilder von 1940 bis heute

Fahrgast im Speisewagen der «Compagnie Suisse des Wagons Restaurants», um 1940 Quelle: Schweizerisches Nationalmuseum
Das Landesmuseum in Zürich illustriert in einer Ausstellung jüngere Schweizer Geschichte aus dem Blickwinkel der Pressefotografen. Es gewährt damit erstmals Einblick in das mehrere Millionen Bilder umfassende Fotoarchiv des Schweizerischen Nationalmuseums. von Sabine Altorfer
 

Skandale und Sporthighlights, Unfälle und alltägliche News: Die Zeitungen schreiben und zeigen, was Sache ist. Täglich. Den Bildstoff liefern meist Agenturen. Zum Glück landen ihre Fotos nicht gleich im Altpapier, sondern werden archiviert. Doch wohin damit, wenn es die Agentur - wie «Presse Diffusion Lausanne» und die «Actualité Suisse Lausanne» - nicht mehr gibt?

Dann springen die kantonalen Staatsarchive oder Museen ein, in diesem Fall das Nationalmuseum. Im Landesmuseum Zürich ist nun eine Auswahl von rund 500 Fotos des mehrere Millionen Negative umfassenden Bilderschatzes zu sehen.

Offizielles und Kurioses

Einen Überblick bietet die Abteilung Chronik. «Hier sieht man die Eckdaten unserer kollektiven Erinnerung», erklärt Kurator Dario Donati. Pro Jahr hängen zwei bis vier Bilder. Die ersten Jahrzehnte wird man als historische Dokumentation betrachten: Doch irgendwann setzt die eigene Erinnerung ein, innerlich schmunzelnd betrachtet man die Rolling Stones, wie sie 1967 in Zürich aus dem Flugzeug steigen und weiss: Das Hallenstadion lag danach in Trümmern.

Karli Odermatt stemmt 1972 den Meisterpokal, 1979 wird gegen Kaiseraugst demonstriert, 1984 beginnt Elisabeth Kopp ihre Arbeit als erste Bundesrätin. Man erkennt Alexander Solschenizyn und Vaclav Havel auf Schweiz-Besuchen oder Roger Federer, wie er beim ersten Wimbledon-Sieg 2003 mit dem Pokal in die Knie sinkt.

Donati setzt aber auch Schwerpunkte wie «Der Zweite Weltkrieg», «Frauenstimmrecht» oder «Krise der 70er-Jahre» und lässt die goldene Zeit der illustrierten Reportagen wieder aufleben. In einem der drei Pavillons aus den 40er-Jahren feiert er die Prominenz: Eine vollständige Serie der Miss-Schweiz-Wahlen seit 1950 stellt er den Fotos der alljährlichen Bundesrats-Reisli und Porträts von echten Promis aus Showbiz und Sport gegenüber.

«C'est la vie» behauptet der Titel, doch die Bilder zeigen natürlich nur, was in den letzten 70 Jahren in unserem Land medial interessant war. Politik, Bahnunfälle, Hochwasser, Autobahneinweihung sind im Rückblick vergängliche Tages-Aktualitäten, sich wiederholende Ereignisse. Sie verlocken zum Schmunzeln und wirken doch arg harmlos. Doch was berührt? Die von Arbeit gezeichneten Gesichter von normalen Bürgerinnen, Schnappschüsse von Immigranten, das Elend im Needle-Park, Reportagen aus der Arbeitswelt korrigieren das Bild des zu Vorgründigen.

(az)
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