Basel
Aktualisiert am 25.01.12, um 13:30 von Sebastian Wendel
 

Zu gross für die Nati: «Joggeli» verliert Länderspiele

6. September 2011 in Basel:
Die Schweiz spielt vor halb leeren Zuschauerrängen gegen Bulgarien (3:1).
Schlecht gefüllte Stadien sind für den Verband ein Minusgeschäft, nun handelt er. In Basel finden in Zukunft weniger Länderspiele als bisher statt. In der kommenden WM-Qualifikation will man für volle Ränge in kleinere Stadien ausweichen. von Sebastian Wendel
 

In Basel finden in Zukunft weniger Länderspiele als bisher statt. Diese Schlussfolgerung lassen die Aussagen von Marco von Ah, Mediensprecher des Schweizer Fussballverbandes (SFV), zu. «Um wieder vermehrt in einem ausverkauften Stadion spielen zu können, weichen wir während der Qualifikation für die WM in Brasilien in kleinere Stadien aus», sagt von Ah gegenüber der az.

Nur halb voll

Vier Mal trat die Schweizer Nationalmannschaft in der abgelaufenen EM-Qualifikation zu Hause an, jedes Mal in Basel. Vor vollen Rängen (knapp 38000 Zuschauer) spielte das Team von Ottmar Hitzfeld nur am 7. September 2010 gegen England, die restlichen drei Partien waren eher dürftig besucht. Das Bulgarien-Spiel fast ein Jahr nach jenem gegen England wollten nur 16880 Menschen sehen. Für den Schweizerischen Fussballverband, der sich für Länderspiele beim jeweiligen Stadionbetreiber einmietet, sind nicht ausverkaufte Spiele ein Minusgeschäft. «Uns interessiert jeweils nur, wie rot die Zahlen sind», sagt Marco von Ah, Mediensprecher des SFV.

FCB hat mehr Zuschauer

Drängt sich die Frage auf, warum Heimspiele gegen Gegner wie Wales, Montenegro oder Bulgarien, für die Minusgeschäfte schon im Voraus zu erwarten sind in Basel ausgetragen wurden. Zum einen, so von Ah, habe man vonseiten der Fans ein stärkeres Interesse erwartet. Als Beispiel nennt er das Spiel gegen Bulgarien, vor dem der Nati die EM-Türen noch offen standen.

Ein zweiter Grund dürfte ein Abkommen zwischen dem SFV und der Basel United AG, der Betreibergesellschaft des St.Jakob-Parks, sein. Dieses sieht vor, dass das «Joggeli» bei der Vergabe von wichtigen Länderspielen Vorrang hat. Sowohl Thomas Ulrich, Geschäftsführer der Basel United AG, als auch von Ah bestätigen die Existenz dieses Abkommens. Beschlossen wurde es vor dem Ausbau des St.Jakob-Parks in den Jahren 2006 und 2007. Das seither 38000 Menschen fassende Stadion sollte auch nach der Europameisterschaft 2008 regelmässig gefüllt sein. Für ausverkaufte Ränge sorgte in jüngster Vergangenheit jedoch nur der FC Basel mit seinen Champions-League-Auftritten.

Nati-Pause für Basel?

In der kommenden WM-Qualifikation trifft die Schweiz auf Norwegen, Zypern, Island, Slowenien und Albanien. Sportlich hat jedes der Spiele einen hohen Stellenwert, wirtschaftlich lukrativ ist wohl nur das letzte Heimspiel gegen Slowenien, sollte die Nati in jenem die Qualifikation für die WM in Brasilien klarmachen können. Zwei Monate im Voraus wird beschlossen, wo die einzelnen Heimspiele stattfinden. Laut von Ah ist es wahrscheinlich, dass Basel nur ein- oder zweimal Austragungsort sein werde. «In St.Gallen, Luzern, Genf und Bern gibt es kleinere Stadien, die auch gegen weniger namhafte Gegner voll sind.»

Der Basel United AG drohen mit diesem Vorhaben die Verluste von Mieteinnahmen. Thomas Ulrich will darauf nicht näher eingehen, sagt nur, dass man sich in Basel auf Länderspiele gegen grosse Fussballnationen freue. Von Ah bestätigt, dass diese weiterhin in der Schweizer Fussballhauptstadt ausgetragen werden. Gegen Argentinien weicht die Nati wegen der Basler Fasnacht noch nach Bern aus, im Mai dann erwartet die Basler mit dem Gastspiel von Nachbar Deutschland das erste Länderspiel im «Joggeli» in diesem Jahr. Danach steht für Basel – zumindest für Pflichtspiele – wohl eine Nati-Pause an.

(az)
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