Kein Zweifel. Der Sieg des FC Bayern im gestrigen Halbfinal-Hinspiel ist hochverdient. Die Münchner sind eine Klasse besser als das hochgelobte Tiki-Taka Ensemble aus Barcelona. Die Bayern wirken von Beginn an spritziger, agressiver, zielstrebiger. Während sich die Deutschen Chance um Chance erarbeiten, bleiben die Spanier 90 Minuten lang blass - allen voran Weltfussballer Messi. Doch bei aller Bayern Freude. Dem Kantersieg haftet ein Makel an. Drei Tore sind umstritten. Und zwei davon hätten sicher nicht zählen dürfen.

Schon dem 1:0 der Bayern hätte man die Annerkennung verwehren können. Bei seiner Kopfballvorlage auf Torschütze Müller stützt sich Dante bei Dani Alves auf. Doch das Foul ist nicht offensichtlich. Diesen Treffer kann man durchaus geben.

Nicht jedoch das 2:0 Nach Robbens Eckball und Müllers Kopfball steht Mario Gomez klar im Abseits. Der Linienrichter ist gut positioniert. Auf diesem Niveau muss er die Offsidestellung sehen. Der Treffer zählt aber und ist kurz nach der Pause wegweisend für den weiteren Spielverlauf.

Noch schlimmer ist allerdings der Fehler des Schiedsrichtergespanns vor dem 3:0 durch Arjen Robben. Im Stile eines Rugbyspielers blockt Thomas Müller dem Holländer vor dessen Tor den Weg frei. Der sogenannte Torrichter steht bei freier Sicht nur wenige Meter entfernt. Nicht zum ersten Mal fragt man sich ob dieser eigentlich nur zum Zuschauen angestellt ist. In nun drei Jahren zusätzlicher Schiri-Assistenz hinter dem Tor kann man sich nicht auch nur an eine Intervention der Hampelmänner neben dem linken Pfosten erinnern. Aber auch der Schiedsrichter hätte das regelwidrige Sperren Müllers sehen müssen.

So bleibt dem hohen Bayern Sieg leider ein fahler Beigeschmack. Mit einer 0:2 Hypothek hätte Barcelona im Rückspiel noch Chancen auf eine spektakuläre Wende gehabt. Das selbe Resultat kehrten die Katalanen beispielsweise auf spektakuläre Art und Weise im Achtelfinale gegen die AC Milan. Ein Comeback nach einem 0:4 ist allerdings nur sehr schwer Vorstellbar und wäre ein absolutes Novum in der Geschichte der Champions League.

Nichts desto trotz geht der Bayern Sieg aufgrund der gezeigten Leistungen auch in dieser Höhe in Ordnung. Barcelonas Trainervertreter Jordi Roura hat recht, wenn er sagt: «Zwei Tore waren irregulär, aber dies ist keine Entschuldigung. Bayern war überlegen. Gratulation.»

Zumal auch die Münchner leisen Grund hatten über den Schiedsrichter zu klagen. Zwei Handselfmeter hätte Bayern geben können. Sowohl Piqué als auch Sanchez spielten den Ball im Strafraum ungestraft mit der Hand.

Der Schiedsrichter Viktor Kassai erwischte wahrlich keinen glücklichen Tag.