Drei Spiele, drei Siege: Als Ranko Jakovljevic im Frühling den erfolglosen Martin Andermatt ablöste, startete er wie eine Rakete. Da schien ein Meister vom Himmel zu fallen. Den Abstieg in die Challenge League konnte der 43-Jährige aber nicht verhindern. Das hinderte die Vereinsverantwortlichen allerdings nicht daran, Jakovljevic weiterhin das Vertrauen als Trainer der ersten Mannschaft zu schenken. Etwa deshalb, weil es die einfachste und billigste Lösung war?
Nach zehn Spielen in der Challenge League droht dem FC Aarau nun sogar der Fall in die Abstiegszone der Challenge League. Die Bilanz ist ernüchternd: Vor dem Fernsehspiel gegen Servette von morgen Abend im Brügglifeld (Anpfiff: 20.10 Uhr) gabs drei Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen. Nach dem Cupaus gegen den SC Kriens und dem desaströsen Auftritt gegen Wil geizten nicht einmal mehr eingefleischte Fans mit harter Kritik an der Einstellung der Spieler und an der zu risikoreichen Taktik des Trainers.
«Die zweite Halbzeit gegen Wil war eine Katastrophe, ja sogar ein Skandal»
Eigentlich müssten bei Jakovljevic nach den zwei Pleiten Selbstzweifel und Ratlosigkeit aufkommen. Nichts da. Der Mann strotzt schier vor Selbstvertrauen, lässt sich von den Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen und sagt: «Mit etwas Glück hätten wir sieben Punkte mehr auf dem Konto. Es ist doch so: Gewinnt man, ist alles gut, verliert man, ist alles schlecht.» Gut zu wissen, dass sich der Trainer nach dem 1:2 gegen die Ostschweizer wenigstens selbstkritisch gibt. Er sagt: «Die zweite Halbzeit gegen Wil war eine Katastrophe, ja sogar ein Skandal. So kann und darf es nicht weitergehen.»
Zwar nimmt Jakovljevic das Wort Skandal nach kurzem Zögern zurück, aber die Enttäuschung, der Frust, der Ärger und die Wut bleiben. Hätte er ein etwas breiteres Kader zur Verfügung, wäre wohl der eine oder andere Spieler bereits jetzt zum Kader hinausgeflogen. Spieler, die gegen Wil nicht an ihre Leistungsgrenze gingen und sich nicht mit letzter Kraft gegen die Niederlage wehrten, gibts nämlich einige. Kandidaten für einen Rausschmiss also auch.
Namen nennt Jakovljevic keine. Noch hält der Trainer die schützende Hand über seine Kicker. «Kritische Dinge», sagt er, «besprechen wir intern. Sie gehören nicht an die Öffentlichkeit. Ich will keine Polemik.» Und was macht der Trainer falsch? Jakovljevic hält sich auch diesbezüglich zurück und sagt nur: «Als Trainer muss ich mich dauernd hinterfragen. Ob Sieg, ob Niederlage, ich kann und will mich immer verbessern.»
Mag sein. Vielleicht ist bei vielen Personen im Umfeld des Vereins die Erwartungshaltung an die junge, unerfahrene Mannschaft tatsächlich etwas zu hoch. Schliesslich konnten die Klubverantwortlichen im Hinblick auf diese Saison wegen der finanziell angespannten Situation lediglich Spieler zweiter Wahl oder Talente verpflichten.
Bleibt die Frage, wie tief der FCA in den nächsten Wochen noch sinkt. Vom Horrorszenario 1. Liga will Jakovljevic jedenfalls nichts wissen. «Nein, nein», hält er fest, «der FC Aarau ist mit Sicherheit kein Abstiegskandidat.» Seine Worte in Gottes Ohr. Die Katholiken feiern morgen Allerheiligen, Allerseelen. Und was feiert Jakovljevic gegen Servette?