Nur noch ein Riesenslalom wird bis zur WM in St. Moritz gefahren und am Samstag in Adelboden realisierte das Schweizer Team das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Klassikers. Nicht erst jetzt, aber nochmals verstärkt wird klar: Der Riesenslalom ist die Sorgendisziplin der Schweizer Männer.

Die offiziellen Selektionsrichtlinien – eine Platzierung in den Top 7 oder zwei in den Top 15 – hat einzig Justin Murisier bisher erfüllt. Natürlich haben die Trainer die Möglichkeit, die vier WM-Startplätze auch nach anderen Kriterien zu verteilen. Aber trotzdem zeigt alleine dieser Fakt, wo das Riesenslalomteam im Moment steht.

Was ist in den vergangenen Jahren schiefgelaufen? Manches. Aber nicht nur. Für die Erklärung muss man etwas ausholen. Seriensieger sind im Weltcup selten. Immer wieder taucht ein aussergewöhnliches Talent auf, das quasi ohne grosses Zutun an die Spitze durchmarschiert. Jüngstes Beispiel dafür ist der Norweger Henrik Kristoffersen.

Doch für den Grossteil der Athleten ist der Weg an die Spitze lang und trainingsintensiv. Mit Fleiss und Ehrgeiz ist es zwar für viele möglich, sich über Jahre hinweg immer mehr der Spitze anzunähern. Doch regelmässige Topklassierungen sind trotzdem schwierig. Weil da eben immer auch die Liga der Aussergewöhnlichen ist.

Im Riesenslalom sind das im Moment Alexis Pinturault oder Marcel Hirscher. Diese Supertalente lassen sich weder planen noch im Training erzeugen. Hier kann man also nicht davon sprechen, dass etwas schiefgelaufen ist. Was hingegen Fragen hinterlässt, ist, warum es nicht gelungen ist, quasi auf dem Arbeiterweg mehr Fahrer auf den Weg in Richtung Weltspitze zu schicken? Obwohl auch hierfür Erklärungen vorhanden sind.

Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen. Das wohl grösste Problem und die Ursache für die aktuelle Baisse ist, dass über längere Zeit Schweizer Riesenslalomfahrer fehlten, die durch ihre Leistungen im Training quasi eine Sogwirkung erzeugen können.

Das liegt auch daran, dass beispielsweise mit Daniel Albrecht ein solcher Fahrer seine Karriere früh verletzungsbedingt beenden musste oder ein Marc Berthod von Wehwehchen arg zurückgeworfen wurde.

Als dann auch noch Carlo Janka, immerhin mal Olympiasieger in dieser Disziplin, durch gesundheitliche  Probleme und wegen der Reglementänderung im Materialbereich, den Anschluss im Riesenslalom verpasste, war da niemand mehr, der für die wichtige Teamdynamik sorgen konnte.

Im Slalom war die Ausgangslage mal ähnlich. Doch dort gelang es Daniel Yule und Luca Aerni, ohne Vorbilder den Weg zu gehen.

Auf der Seite Riesenslalom hingegen wurde mit Murisier ausgerechnet der Mann durch zwei Kreuzbandrisse und einen Meniskusschaden gebremst, dem dies auch zuzutrauen gewesen wäre, wie er nun wieder beweist.

Doch neben ihm war da eben kein Zweiter. Vielleicht hat man bei Swiss Ski hier zu spät reagiert und zu spät Talente gezielt dem Riesenslalom zugeordnet und auf eine Kerndisziplin gesetzt, wie es heute gemacht wird.

Trotzdem gibt es Dinge, die positiv stimmen. Mit Loïc Meillard ist einer da, dem das Aussergewöhnliche zugetraut wird. In seinem Sog könnte diese Dynamik erzeugt werden, die den Slalom aus der Krise holte.

Und weil ab der nächsten Saison auch das Ski-Reglement ändert und sich dem früheren annähert, ist vielleicht auch ein Janka plötzlich wieder da. Für die Heim-WM aber kommt das zu spät.