Es war das Jahr, in dem in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Iris Fischer sagt, sie habe den Moment noch ganz deutlich vor Augen. Hans Schärer, in der Musikgesellschaft als Musiker am Glockenspiel bekannt unter dem Namen «Glöggli-Hans», habe sie besucht in ihrem Garten und gefragt, ob sie die Leitung der Majoretten-Gruppe übernehmen möchte.
«Ich hatte keine Ahnung, was das überhaupt sein könnte», sagt Iris Fischer rückblickend. Die Sportart, die heute unter dem Namen Twirling bekannt ist und bei der junge Frauen, oft in Front einer marschierenden Musikgesellschaft, ihren Stab, Bâton genannt, stilvoll durch die Luft wirbeln, war kaum bekannt. Es gab 1971, zumindest in der Deutschschweiz, kein Vorbild.
Iris Fischer, die bei der Anfrage Leiterin im örtlichen Turnverein war, sagte zu. Ende Mai des Jahres 1971, also nur drei Monate, nachdem die Musikgesellschaft an der Generalversammlung die Gründung der Majorettengruppe beschlossen hatte, folgte der erste Auftritt am kantonalen Musiktag in Hellikon.
Stäbe mit Fahrradgriffen
«Hans Schärer hat für uns die ersten Stäbe angefertigt. Mit Fahrradgriffen an den Enden», erinnert sich Iris Fischer lachend. Der Auftritt war ein voller Erfolg. Die Majoretten seien wahnsinnig gut angekommen: «Das Publikum hatte grosse Freude.»
Für den Auftritt an der Olma in St. Gallen desselben Jahres erhalten die Majoretten, die Gruppe zählt bereits neun Mitglieder, ihre ersten Uniformen.In den 16 Jahren als Gruppenleiterin hat Iris Fischer insgesamt 54 Mitglieder trainiert. Die Majoretten gehören nun zum festen Bestandteil der Musikgesellschaft und werden insbesondere bei den Marschmusikanlässen jeweils mit Spannung erwartet.
Schon in früheren Zeiten, so Iris Fischer, wurde manchmal gemunkelt, dass die Musikgesellschaft Möriken-Wildegg mit den hübschen Majoretten natürlich bessere Noten bekommen würden, als die restlichen Vereine.
Gut ein Jahr, bis man den Dreh raus hat
Andere Majorettenvereine im Kanton, die in der Zwischenzeit gegründet wurden, haben sich wieder aufgelöst. Tatsächlich sei es nicht ganz einfach, junge Mädchen für den Sport zu gewinnen, sagt die aktuelle Leiterin Nadine Schmied. Bis man den Dreh raus habe mit dem drehenden Stab dauere es gut ein Jahr. «Doch ich mache die Beobachtung: Wer sich einmal begeistern lässt, der bleibt dem Sport lange treu.»
Aber es sei halt eine Aufgabe, die mit Verantwortung verbunden ist. Das Angebot an verschiedenen Fitnessprogrammen sei heutzutage gross und lässt sich oft flexibel gestalten. «Wir planen mit fixen Terminen und sind auf die Anwesenheit der Mitglieder angewiesen.»
Begleitung einer Guggenmusik
Dafür entwickeln sich durch die intensive Zusammenarbeit langjährige Freundschaften. «Es gibt heute noch eine Gruppe von ehemaligen Mitgliedern, die sich einmal pro Monat trifft», sagt Iris Fischer. Nadine Schmied hat nicht das Gefühl, dass das Interesse am Twirling-Sport schon bald ganz erlöschen könnte. Der Verein zählt momentan sieben Aktiv- und sechs Junioren-Mitglieder. Um die Aktivitäten abwechslungsreich zu gestalten, gehen die Majoretten gerne auch eher aussergewöhnliche Kooperationen ein. So begleitet man beispielsweise im nächsten Jahr eine Guggenmusik an ein Narrenfest in Deutschland.
Dass die Majoretten dem Dorf erhalten bleiben, das war der ausdrückliche Wunsch von Gründervater Hans Schärer. «14 Tage, bevor er verstarb, hat er mich darum gebeten, zu schauen, dass die Majorettengruppe weiter bestehen bleibt», sagt Iris Fischer. Am Musikabend im Gemeindesaal von Möriken präsentieren die Majoretten an diesem Wochenende nun ihr Können und versuchen dabei, einen weiteren Akzent für eine lange und erfolgreiche Zukunft zu setzen. Zur Jubiläumsfeier wurde extra eine ausgedehnte Mitternachtsshow einstudiert.