Sie sind die Identifikationsfiguren ihrer Vereine: Alain Schultz beim FC Wohlen, Sandro Burki beim FC Aarau. Beide tragen die Captainbinde. Mehr noch: Schultz und Burki sind die einzigen Spieler, die bei allen 13 Aargauer Kantonalderbys seit 2010 in einem der beiden Kader standen.

Doch an dieser Stelle schleicht sich ein kleiner, aber feiner Unterschied zwischen die beiden Freunde: Burki musste am zweitletzten Spieltag der vergangenen Saison für das Derby passen und unterzog sich einer längst überfälligen Knie-Operation.

So gebührt seither der Titel des Mister Derby nur noch Alain Schultz: Er stand bei allen Aufeinandertreffen auf dem Platz – und zwar von Anfang an.

Sieben Mal im Trikot von Wohlen, sechs Mal im Trikot des FC Aarau. Schultz’ Derby-Bilanz: Fünf Siege (alle mit Aarau), vier Unentschieden (drei mit Aarau, eines mit Wohlen), vier Niederlagen (alle mit Wohlen).

Es gibt nun zwei Arten, mit diesem Fakt umzugehen: Entweder läuft Schultz morgen mit Herzrasen und weichen Knie auf den Platz, übermannt von den Derby-Gefühlen und den zahlreichen Erinnerungen an die Vergangenheit.

Oder Schultz nimmt die Partie in Angriff wie jede andere, weil ihn Statistiken kalt lassen. Wer Schultz kennt, der weiss: Letzteres ist der Fall. «Das Derby ist ganz normal. Der Bessere soll gewinnen», sagt er nüchtern.

Natürlich hofft Schultz, dass morgen der FC Wohlen besser ist – schliesslich verdient er sein Geld ja bei den Freiämtern.

Und auch wenn er es im Vorfeld nicht zugibt: Ein kleines bisschen Genugtuung würde der 33-Jährige mit Bestimmtheit verspüren, sollte Wohlen im 14. Anlauf das erste Mal das Derby für sich entscheiden.

Denn die Rückkehr von Schultz ins Stadion Brügglifeld ist auch verbunden mit den Erinnerungen an seinen unschönen Abgang im Januar 2015: Der Wechsel von Aarau nach Wohlen war mehr eine Flucht denn Schultz’ expliziter Wunsch.

Weil der damalige FCA-Coach Sven Christ für den schussstarken Freistosskünstler keine Verwendung mehr sah, musste Schultz reagieren – das Angebot aus Wohlen kam wie gerufen.

Vor der Vertragsverlängerung

Im Freiamt blühte Schultz wieder auf. Vor allem, seit er die chronischen Hüftschmerzen in den Griff bekam: Das Wundermittel sind Fischöl-Kapseln, von denen Schultz jeden Abend drei Stück schluckt.

Sie schmieren die Gelenke und sorgen dafür, dass Schultz wieder schiesst und rennt wie in jungen Jahren. Wie jener der Wohler Mannschaft stimmt auch der Formstand von Schultz.

Er sagt: «Die Ausgangslage für uns ist vielversprechend, unsere Chancen auf den Derbysieg waren wohl noch nie so gut. Die Siege zuletzt gegen Winterthur und Wohlen haben uns Luft verschafft im Abstiegskampf. Jetzt fahren wir mit viel Mut und Selbstvertrauen nach Aarau.»

Um dort dem FC Wohlen die sehnlichst erhoffte Siegpremiere gegen den grossen Bruder aus der Kantonshauptstadt zu verschaffen. Die Mannschaft würde in die Geschichte eingehen – und mit ihr Captain Alain Schultz. Und sollte es im Spiel morgen und in den weiteren zwei in dieser Saison nicht klappen – die nächsten Chancen bieten sich in der Saison darauf. Mit Alain Schultz? Ja, davon ist auszugehen. Er steht nämlich kurz vor der Unterschrift unter einen neuen Vertrag bis 2018.

Entweder Oder mit FCW-Stürmer Alain Schultz