Tagwache um 5.50 Uhr! Arbeitsbeginn um 7.00 Uhr! Was für die meisten Berufstätigen die normalste Sache der Welt ist, ist für einen Fussballer schon ziemlich speziell. Sie glauben das nicht? Dann erkundigen Sie sich mal bei Sandro Burki! Der Captain des FC Aarau war während der vergangenen 26 Tage einer Doppelbelastung ausgesetzt. Neben seiner Tätigkeit als Profi und Spielführer beim Challenge Ligisten vom Brügglifeld arbeitete er als Zivildienstleistender im Tageszentrum der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) für Psychiatrie und Psychotherapie in Aarau.

Diese soziale Einrichtung bietet Erwachsenen mit einer psychischen Erkrankung ein ambulantes Behandlungsangebot. Burki spielte im Tageszentrum während knapp einem Monat die Rolle des Mädchens für alles. Frühmorgens führte ihn sein erster Gang geradewegs in die Küche. Als Verantwortlicher für Tee und Kaffee machte er sich genauso nützlich wie beim Waschen und Abtrocknen des Geschirrs. Neben den üblichen Haushaltpflichten stand am Vormittag ein anderthalbstündiger Spaziergang auf dem Programm. Und nach dem Mittagessen vertrieb man sich die Zeit mit interessanten Gesprächen und Diskussionen oder Gesellschaftsspielen wie Jassen, Eile mit Weile und Uno.

Seit vielen Jahren prägt er den FC Aarau: Sandro Burki

Seit vielen Jahren prägt er den FC Aarau: Sandro Burki

Wer Burki während der Tätigkeit im Tageszentrum beobachtet, der spürt, dass er die Institution Zivildienst sehr ernst nimmt. Die Arbeit ist für ihn alles andere als eine Belastung. «Der soziale Bereich hat mich schon in jungen Jahren interessiert», sagt Burki. «Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Ich spreche mit den Patienten über Alltägliches und bin bei Gesellschaftsspielen mit dabei.» Und was ich das Ziel? «Es ist ganz einfach», fügt Burki hinzu. «Ich möchte, dass diese Menschen ein wenig Abwechslung haben.»

Berufsfussballer des FC Aarau und Zivildienstleistender? Ist es überhaupt möglich, die beiden Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen? «Es ist tatsächlich sehr schwierig, den beiden Anforderungen gerecht zu werden», gibt Burki zu. «Der Fussball kam in letzter Zeit etwas zu kurz. Ich konnte bei weitem nicht bei allen Trainings mit dabei sein. Schliesslich beträgt die tägliche Arbeitszeit im Zivildienst achteinhalb Stunden.»

Das ist auch der Grund, warum Burki im November nur rund ein Drittel aller Trainingseinheiten absolvieren konnte. Logisch, dass sich Aarau-Trainer Marco Schällibaum in letzter Zeit Gedanken über die Rolle des Captains machte. Dass Burki im Fernsehspiel am vergangenen Montag gegen den FC Schaffhausen zur Startformation zählte, war lange Zeit fraglich. «Ich habe mir überlegt, Sandro wegen seiner Doppelbelastung nur einen Teileinsatz zuzumuten», sagt Schällibaum. «Nachdem er sich in den Trainings vom Samstag und Sonntag aber so richtig reingehängt hat, habe ich ihn trotz der erwähnten Vorbehalte von Beginn an eingesetzt. Das hat sich glücklicherweise ausbezahlt.»

Vielfältig engagiert: FCA-Captain und Neo-Geschäftsmann Sandro Burki posiert in einem der zwölf Zimmer seiner «Marco Polo Business Apartments» in Wohlen.

Vielfältig engagiert: FCA-Captain und Neo-Geschäftsmann Sandro Burki posiert in einem der zwölf Zimmer seiner «Marco Polo Business Apartments» in Wohlen.

Burki will zurückkehren

Und so konnte Burki seinen Teil zum wichtigen 3:2-Sieg beim Tabellenletzten aus der Nordostschweiz beitragen. Für die drei restlichen Vorrundenspiele gegen Xamax, Wohlen und Le Mont kann Schällibaum glücklicherweise wieder voll und ganz auf seinen Captain zählen. Mit dem heutigen Tag geht Burkis Zeit als Zivildienstleistender nämlich zu Ende. Ab sofort kann der 31-jährige Mittelfeldspieler den Fokus also wieder voll und ganz auf den Fussball und auf seine Familie richten.

Einen Wunsch für das nächste Jahr hat Burki allerdings jetzt schon. Die 26  Zivildienst-Tage im Jahr 2017 würde er gerne wieder im Tageszentrum für Psychiatrie und Psychotherapie der PDAG in Aarau verbringen. Ganz einfach deshalb, weil der zweifache Familienvater die Menschen in der für ihn neuen, aber nach kurzer Zeit schon vertrauten Umgebung kennen und schätzen gelernt hat.