Wie bereitet Ihnen der FC Aarau momentan Freude?

Alfred Schmid: Ich habe mich in den vergangenen Wochen zweimal gefreut. Die grösste Freude war der 2:0-Sieg des FC Aarau im Cup gegen Lugano. Es ist grossartig, dass wir in den Viertelfinals vor eigenem Publikum gegen Luzern spielen dürfen. Dieses Spiel ist ein Highlight. Ich bin überzeugt, dass der FC Aarau Luzern schlagen und sich für die Halbfinals qualifizieren kann.

Und die zweite Freude?

Die zweite Freude hat mit dem geplanten Stadion im Torfeld Süd zu tun. Für mich ist es eine grosse Genugtuung, dass der Einsprecher endlich klein bei geben musste. Jetzt kann man das neue Stadion planen und den Termin des Baubeginns vorantreiben.

Was ist für Sie das Schönste am FC Aarau?

Das Schönste ist die breite Abstützung in finanzieller Hinsicht. Wir haben nicht nur treue Fans, sondern auch treue Geldgeber, die an eine erfolgreiche Zukunft des FC Aarau glauben. Wir hatten trotz des Abstiegs in die Challenge League regen Zuwachs bei den Mitgliedern in unseren Sponsor-Abteilungen ‹White Socks›, ‹Club 100›, ‹2010er› und Sponsorenvereinigung. Es wäre der Tod für den FC Aarau, wenn unser gut funktionierendes Sponsoring-Paket auseinanderbrechen würde.

Aber ist es nicht ein Armutszeugnis, dass der FC Aarau nach dem Ausstieg von Zehnder vor einem Jahr erfolglos einen Hauptsponsor sucht? Dass kein Unternehmen und keine Firma bereit ist, als Hauptsponsor des FC Aarau für eine Saison in der Challenge League wenigstens 250 000 Franken zu zahlen?

Nein! Bei meinem Amtsantritt als Präsident vor zehn Jahren konnte der FC Aarau die Firma Winkler in Wohlen als Hauptsponsor gewinnen. Wir haben Winkler damals versprochen, dass der FC Aarau bald in einem neuen Stadion spielen wird. Weil sich das Stadionprojekt verzögert hat, stieg Winkler aus. Dann kam Zehnder, der uns während fünf Jahren die Treue hielt. Dafür sind wir sehr dankbar. Natürlich hatte aber auch Zehnder die Erwartung, als Hauptsponsor des FC Aarau ins neue Stadion einzuziehen. Es kam wieder anders. Die lange Warterei rund um den Baubeginn des Stadions war bei Zehnder der wohl wichtigste Grund, dass er mangels Perspektiven vor einem Jahr als Hauptsponsor zurücktrat.

Das heisst im Klartext: Ohne neues Stadion, kein neuer Hauptsponsor?

Das kann man tatsächlich so sagen. Die aktuelle Konstellation führt dazu, dass der FC Aarau auf ausgetrocknetem Boden steht. Solange der Termin des Baubeginns nicht feststeht, ist es für ein Unternehmen schwierig, als Hauptsponsor des FC Aarau einzusteigen. Es ist doch logisch, dass ein Hauptsponsor für einen Betrag in Höhe von rund einer viertel Million Franken eine Gegenleistung sehen will. Diese Gegenleistung können wir im Brügglifeld ganz einfach nicht bieten.

Wie ist der aktuelle Stand bezüglich Baubeginn des Stadions?

Die Einsprachen sind von sämtlichen Gerichten abgewiesen worden. Die Baubewilligung fürs neue Stadion ist meiner Meinung nach also rechtskräftig. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die zuständige Behörde muss aber aufpassen, dass nach Rechtskraft der Baubewilligung die 24-monatige Frist für den Baubeginn nicht verstreicht. Wird in den nächsten zwei Jahren nicht mit dem Bau des Stadions begonnen, erlischt die Baubewilligung. In einem solchen Fall könnte der FC Aarau nicht mehr in die Super League aufsteigen. Damit hätte der Einsprecher mit seiner Verzögerungstaktik doch noch Recht bekommen.

Exakt danach sieht es aus. Die vor rund acht Jahren veranschlagten Kosten von 36 Millionen Franken für den Bau sind längst überholt.

Was die aktuellen Kosten fürs Stadion betrifft, ist die Bauherrschaft HRS gefordert. Sie muss der Stadt Aarau mitteilen, wie hoch die Kosten zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sind. Wegen neuer Auflagen der Swiss Football League gibt es Mehrkosten. Wie hoch die sind, weiss ich nicht.

Gerüchteweise sollen die Mehrkosten rund 15 Millionen betragen.

Das sagen Sie! Ich habe keine Ahnung. Eines aber ist jetzt schon klar: Der FC Aarau muss alles daransetzen, dass es keine weitere Volksabstimmung braucht. Momentan wissen wir bezüglich Planung nicht, was Sache ist. Wir sind in einem luftleeren Raum.

Lähmt das?

Natürlich lähmt das. Und im Lauf der Zeit nimmt es einem mehr und mehr die Motivation. Es raubt einem auch Kraft und Energie. Ich habe nach dem Scheitern des Einsprechers damit gerechnet, dass im Umfeld des FC Aarau Freude und Begeisterung herrscht. Leider ist das nicht der Fall. Im Gegenteil. Viele Leute im Umfeld des FC Aarau warten einfach ab und ziehen sich in ein Schneckenloch zurück. Das ist schade.

Dass sich viele Leute in ein Schneckenloch zurückziehen hängt wohl auch damit zusammen, dass der FC Aarau sportlich im Mittelmass verschwindet. Die Begeisterung unter den Leuten müsste sportlich geweckt werden. Und das gelingt nicht.

Ich glaube an den FC Aarau. Er wird Ende Saison einen Spitzenplatz erreichen.

Ihre Worte in Gottes Ohr; zuletzt gab es für den FC Aarau in acht Spielen einen Sieg, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen: Wie will man so eine Euphorie entfachen?

Mit solchen Resultaten ist das tatsächlich schwierig. Aber der FC Zürich ist nun mal der Überflieger der Challenge League. Er ist unerreichbar für den FC Aarau. Das müssen wir akzeptieren.

Kein Kind von Traurigkeit: Nicht nur Stéphane Besle hat sich nicht immer im Griff.

Kein Kind von Traurigkeit: Nicht nur Stéphane Besle hat sich nicht immer im Griff.

Abgesehen von der sportlichen Krise gibt es noch einen andern negativen Aspekt: In 16 Spielen wurden fünf Spieler vom Platz gestellt. Abwehrchef Stéphane Besle sah sogar zweimal rot. Was sagen Sie zu diesen Disziplinlosigkeiten?

Der FC Aarau hatte in den vergangenen Jahren bezüglich Fairplay Vorbildcharakter. Er gewann sogar einmal die Trophäe. Diese sechs roten Karten passen nicht zu uns. Da müssen wir tatsächlich über die Bücher. Solche Disziplinlosigkeiten müssen wir abstellen. Und zwar sofort.

Ist der aggressive, manchmal sogar unbeherrschte FC Aarau ein Abbild von Trainer Marco Schällibaum?

Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Vor der Saison hatten wir das Ziel, vorne mitzuspielen und dem FC Zürich Paroli zu bieten. Das ist uns nicht gelungen und hat dazu geführt, dass einige Spieler enttäuscht waren und mit dem Kopf durch die Wand wollten. Diese Leidenschaft hat wohl dazu geführt, dass es zu Überreaktionen und zu Platzverweisen kam.

Stellt sich für Sie nach den schlechten Resultaten die Trainerfrage?

Nein. Die Trainerfrage stellt sich nicht. Marco Schällibaum ist ein akribischer Arbeiter und tut alles für den Erfolg.

Am Sonntag folgt für den FC Aarau das Derby gegen den FC Wohlen, der dank vier Auswärtssiegen in Folge mit breiter Brust ins Brügglifeld kommen wird. Wie gross ist Ihre Angst, dass der FC Aarau im 14. Derby erstmals gegen Wohlen verlieren wird?

Ich bin sicher, dass der FCA die Serie der Ungeschlagenheit gegen Wohlen wahren kann. Ich will mindestens ein Unentschieden. Natürlich wird der FC Aarau aber alles daransetzen, zu gewinnen.