Gerade einmal 190 Zuschauer verirrten sich gestern Abend in die Aarauer Schachenhalle. Die chronische Erfolglosigkeit des HSC Suhr Aarau mag Schuld am geringen Interesse sein, der Champions-League-Auftritt der Basler trug wohl den Rest dazu bei. Dabei hat es an Brisanz im Spiel zwischen den Aargauern und St. Otmar St. Gallen nicht gefehlt. Suhr Aarau war zwei Runden vor Schluss der Qualifikation auf jeden Zähler angewiesen. Der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt drei Punkte. Dabei ist es gestern geblieben. Dafür gelang St. Otmar mit dem vorab in der zweiten Halbzeit ungefährdeten 37:31-Sieg der provisorische Sprung in die Finalrunde. Allerdings kann Basel heute wieder an den Ostschweizern vorbeiziehen.
«Uns fehlt im Moment die Unbekümmertheit», hielt HSC-Flügel Mark Schelbert nach der Niederlage fest. Die Frohnatur war mit zwölf Treffern erfolgreichster Schütze seines Teams. «Für Siege brauchen wir ein Frisch-von-der-Leber-Feeling», fuhr Schelbert fort, «ich habe dieses Feeling und würde es gerne an meine Teamkollegen weitergeben. Schliesslich ist Handball nur ein Spiel.»
Einstimmung mit Cup-Video
Mit einem Video des Cup-Sieges gegen St. Otmar hatten sich die Aarauer auf die gestrige Partie eingestimmt. Doch die Unbekümmertheit im Spiel des HSC hielt maximal bis zur Pause. Zehn Minuten lang war es eine ausgeglichene Partie mit mehreren Führungswechseln. Dann zogen die Gäste auf zwei (9:7), später auf drei Tore davon.
Zur Pause führten die St. Galler 18:15. Alles schien noch möglich. «In der Garderobe sagten wir uns: ‹Wir sind noch dran›», berichtet Schelbert. Doch ausgerechnet nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der HSC erschreckend desolat. Die schlechte Deckung und Ballverluste im Angriff liessen den Vorsprung St. Otmars innert zehn Minuten auf acht Tore anwachsen. Mitte der Halbzeit stand es 22:31. Suhr Aarau konnte dank den Toren Schelberts zwar noch auf 27:32 verkürzen, doch Spannung kam in der Schlussphase nie auf.
«Die zehn Minuten nach der Pause waren entscheidend», befand Schelbert, «man hat dem Gegner aber auch angemerkt, wie enorm wichtig für ihn diese Partie war.» Bei St. Otmar erzielten mit Raphael Liniger (12), dem ex-Suhrer David Parolo (10) und Spielertrainer Jan Filip (7) drei Spieler sieben oder mehr Tore. Beim HSC war Calle Ekberg mit fünf Toren zweitbester Schütze. Neuzugang Josip Pazin (2 Tore) war mehr Fremdkörper als Verstärkung. Den Aarauern fehlen nach wie vor die Schützen vom Dienst.