Vom perfekten Sonntag träumten die Leichtathleten des BTV Aarau vor den Schweizer Hallenmeisterschaften. Drei Goldmedaillen durften sie sich aufgrund der bis anhin gezeigten Leistungen und dem Potenzial ihrer Topathleten erhoffen. Erfüllt sahen sie dieses Traumresultat nicht. Und das lag am Routinier. Ausgerechnet Urs Hasler, der Titelverteidiger im Kugelstossen, scheiterte mit bescheidenen 15,04 m. Um 1,29 m verpasste er als Vierter den Titel, um 2 cm die Bronzemedaille. Mit Kopfschütteln quittierte der 29-Jährige seine Stösse. Eine Erklärung: Hasler stellt auf diese Saison von der O’Brian- zur Drehstoss-Technik um und trainiert die herkömmliche Art, mit der er im Wettkampf stiess, kaum mehr.
Ihr Potenzial auszuschöpfen wussten hingegen die beiden Youngsters. Jan Hochstrasser (24) gewann über 800 m und Pascal Müller (24) über 200 m. In extremis reüssierten sie: Hochstrasser konterte auf der kurzen Zielgeraden den couragierten Antritt seines Klubkollegen Astrit Kryeziu (Kosovo) und warf sich vor ihm ins Ziel. Allerdings, und das wusste Hochstrasser, ist Kryeziu ohnehin nicht titelberechtigt.
Support für einen Kosovaren
Die beiden Mittelstreckler verbindet eine nette Geschichte. Vor zwei Wochen fragte der Kosovare, der auf Verwandtenbesuch in der Schweiz weilt, Hochstrasser beim Hallenmeeting in Magglingen, ob er ihm die Spikesschuhe leihen könne. Sofort sagte Hochstrasser zu und staunte über die Zeit von Kryezius. Dieser löste sodann eine Lizenz für den BTV
Aarau.
Jan Hochstrasser freute sich riesig über seinen ersten Meistertitel. Gleichzeitig relativierte er aber: «Über diese Distanz zählt ein Freilufttitel mehr, ein solcher ist nun mein nächstes Ziel.» Gewonnen aber hat er eine weitere Gewissheit: Die Problematik mit der Terminüberschneidung von sportlichen Höhepunkten und Prüfungen an der Fachhochschule hat er in den Griff gekriegt.
Müller blieb ruhig
In der Position des Favoriten fand sich auch Pascal Müller wieder – in Abwesenheit der drei stärker eingestuften Amaru Schenkel, Alex Wilson und Marc Schneeberger. Auf die Nervosität drückte die Ausgangslage umso mehr. «Ich stelle mir das gar nicht vor», sagte er vor dem Finale, «sondern nehme den Wettkampf wie jeden andern.» Das komme, so wusste er, «am besten». Und es kam gut.
Auf den letzten 50 Metern rang Müller seinen härtesten Widersacher, Aron Beyene, nieder – ebenfalls
um drei Hundertstelsekunden. «Das wird eng», hatte er sich zuvor gesagt und nochmals sämtliche Reserven mobilisiert.
Höhere Konzentration
Müller wusste, dass die Form stimmt. «Ich trainierte mehr und anders», sagte er. Trotz eines beruflichen Vollzeitpensums kann er sich Freiraum schaffen für den Sport. Als Monteur arbeitet er in der Firma seiner Eltern. Flexibles Einteilen der Arbeitszeit ist für ihn dadurch möglich. So konnte er etwa in den fünf Wochen der Hallensaison jeweils am Freitag freinehmen und sich auf die Wettkämpfe vom Wochenende konzentrieren. Mehr Beachtung geschenkt hat Pascal Müller auch der Trainingsqualität. «Die Konzentration ist höher», sagt er. Vor allem zusammen mit dem weiblichen Sprintaushängeschild des Vereins, Renza Merz, oder mit Pin Wanheab arbeitete er zusammen – auch bei winterlichsten Bedingungen auf der Freiluftanlage im Aarauer Schachen.
Im Hinblick auf die Sommersaison sieht Müller nun plötzlich internationale Perspektiven. Die EM von Ende Juni in Helsinki sind sein Ziel. Über 200 m muss er seine Zeit dafür von 21,19 zumindest auf 20,95 steigern.