Patric With, 3. Rang nach der 1.-Liga-Qualifikation, wie fällt Ihr Fazit aus?
Patric With: Ich habe mit der Mannschaft nie über ein Rangziel gesprochen. Ehrlich gesagt, der 3. Rang überrascht mich selber etwas. Die obere Masterround, also die top 5, war sicher unser Ziel. Aber ich dachte, dass wir hart um Rang 5. kämpfen müssen.
Worin gründet die bislang starke Leistung des EHC Aarau?
Vor allem haben wir ein breiteres und homogeneres Kader als früher. Es gibt kein Jekami und keine Spieler mehr, die die Ego-Schiene fahren.
Was heisst das?
Wenn letzte Saison ein Spieler 40 Skorerpunkte gesammelt hat, dann sind es jetzt vier Spieler, die diese 40 Skorerpunkte sammeln.
Aber ohne Leader geht auch im Mannschaftssport nichts?
Das stimmt. Und die Leader sollen auch ihre Freiheiten geniessen. Was nicht heisst, dass sie sich nicht an die Regeln halten. Gar nicht. Unsere Leader sorgen dafür, dass das Team sich selber führt. Das ist auch mein Ziel.
Wie viele Spieler spielen in Aarau fürs Geld und wie viele für Aarau?
In meinem Team gibt es keinen Spieler, der allein des Geldes wegen spielt. Darauf haben wir bei der Mannschaftszusammenstellung während der letzten drei Jahre geachtet.
Sie bauen auf eine homogene Truppe, in der alle ihre Rollen akzeptieren.
Ich habe 1999, als ich Inlinehockey-Weltmeister wurde, erlebt, wie wichtig das ist. Da waren Stars wie NHL-Goalie Martin Gerber ebenso im Team wie 1.-Liga-Spieler. Nur gemeinsam haben wir das Ziel, Goldmedaille, erreicht. Allein mit Häuptlingen geht gar nichts.
Das tönt nach Ralph Krueger?
Ich möchte mich nicht mit Ralph Krueger vergleichen; dann schon eher mit Arno Del Curto. Obwohl es bei mir strenge Regeln gibt, spreche ich die Sprache der Spieler und gehe nach dem Motto: Leben und leben lassen.
Konkret?
Zum Beispiel lieber einmal ein Training weniger, wenn es sich die Mannschaft verdient hat, dafür eine umso intensivere Einheit mehr.
Ihre Spieler haben viele Freiheiten?
Wie die Spieler damit umgehen, ist ihre Sache. Ich erwarte allerdings von jedem das Gleiche, wie von mir selbst: In jedem Training und Spiel höchsten Einsatz und Disziplin. Ansonsten haben wir genügend Wolldecken.
Punkto Sommertraining haben Sie die Schraube auch angezogen.
Früher herrscht in Aarau eher die amerikanische Sommertrainingsmethode. Also, jeder bereitet sich individuell vor. Das hat sich eher negativ bemerkbar gemacht. Heute sind wir dank drei wöchentlichen Sommertrainings, fit.
Sie lassen so oft wie möglich mit vier Blöcken durchspielen – nicht wirklich die Norm in der 1. Liga?
Das ist auch ein Geheimnis unseres Erfolges. Abgesehen davon, dass so alle Spieler immer wieder die Chance bekommen, sich zu bewähren.
Welche Ziele verfolgen Sie nun in der oberen Masterround?
Wir wollen auch nach der Masterround unter den top 4 sein, damit wir in den Playoffs Heimvorteil geniessen. Taktisch können wir auch noch stärker werden.
Und Wiki, ihren Angstgegner, endlich einmal schlagen?
(lacht) Ja genau, das natürlich auch..
Und wie weit gehts in den Playoffs?
Den Halbfinal zu erreichen, wäre für uns ein grosser Schritt nach vorn. Einen, den man gegebenenfalls nicht als selbstverständlich betrachten dürfte.
Wie viel von ihrem Potenzial hat Ihr Team in der Vorrunde gezeigt?
Ich habe eine sehr junges Team. Auf ein Topspiel folgt unter Umständen ein schwaches. Punkto Konstanz können wir uns noch klar steigern. Das hat aber auch mit Routine zu tun.
Das lässt in Zukunft auf Gutes hoffen?
Wenn wir den eingeschlagenen Weg weitergehen, und uns noch mit zwei, drei jungen, gut ausgebildeten Spielern, die bereit sind, für Aarau zu kämpfen, verstärken, ist noch einiges drin. Das denke ich auch.
Und wann verlängern Sie Ihren Vertrag in Aarau?
Es gibt momentan erst Signale, die darauf hindeuten, dass ich in Aarau bleibe.