Ein Nomade ist ein Mensch, der sich an nichts binden kann und damit immer wieder den Wohnort wechselt. Als solches Phänomen bezeichnet sich auch Andrea Wegmüller, neuer Verteidiger des EHC Aarau. Der 27-Jährige aus Klosters GR ist schon viel in der Schweiz herumgekommen. Davos, Rapperswil, Sierre, Davos, SCL Tigers, Chur, Davos, Sierre, Thurgau und zuletzt Langenthal in der National League B waren seine Stationen.
Vom Trainer bearbeitet
Der Durchbruch in der NLA gelang dem Bruder von Ex-Goalie Marco Wegmüller (Bern, Davos) nie. Was waren die Gründe? «Zum einen wurde ich an manchen Orten einfach für nicht gut genug befunden, zum anderen war die Konkurrenz speziell in Davos oder Rapperswil natürlich riesig», analysiert Wegmüller seine Profi-Karriere. «Und in letzter Zeit wusste ich, dass die Motivation für Trainings und Spiele nicht mehr so gross ist wie vorher, so dass ich eigentlich aufhören wollte. Doch dann kam Patric With (Trainer EHC Aarau, Anmerk. die Red.). Wir hatten aus beruflichen Gründen miteinander zu tun, und da ich doch noch ein kleines Feuer in mir verspürte, sagte ich ihm nach einigen Gesprächen zu, dem EHC Aarau in der 1. Liga zu helfen», erzählt der Verteidiger, wie der Transfer zustande kam. Ein Transfer mit zwei Profiteuren. Zum einen der EHC Aarau, der nun auf einen routinierten Verteidiger mit NLA-Erfahrung zurückgreifen kann, und zum anderen Wegmüller, der nun endlich in Aarau sesshaft werden will.
Mit den Superstars in Davos
Wer viel herumgekommen ist, hat auch viel zu erzählen. So ist es auch bei Andrea Wegmüller. Besonders die Lockout-Saison 2004/2005, als Stars wie Joe Thornton und Rick Nash in Davos spielten, bleibt Wegmüller in bester Erinnerung: «Das war eine tolle Zeit. Mit zwei solchen Superstars in einem Team zu spielen, das ist echt ein Highlight meiner Karriere. Ich weiss noch, wie Thornton nach einem Spiel, in dem ich nicht zum Einsatz kam, mit mir redete und mir sagte, dass das alles schon gut komme mit mir. Das hat mich damals sehr beeindruckt.»
Beeindrucken will der Bündner, der als Immobilienverwalter tätig ist und eine gleichaltrige Verlobte hat, mit dem EHC Aarau in dieser Saison: «Wir sollten in der Qualifikation schon um Platz vier oder fünf mitspielen können. Auch wenn die Mannschaft recht jung ist, traue ich ihr viel zu.» Eine Voraussetzung ist natürlich, dass Wegmüller in der Kantonshauptstadt bleibt. Doch keine Angst. Er will nicht weg, der Nomade ist sesshaft geworden.