Sind Sie erst einmal im Dörfchen Vuiteboeuf angekommen, dann haben Sie es beinahe geschafft. Noch zwei, drei scharfe Kurven – und schon sieht man aus der Ferne die Ortstafel der 656 Meter über Meer gelegenen Ortschaft Baulmes. Was für ein schöner Flecken im Distrikt Jura-Nord in der Nähe von Yverdon! Und hier inmitten von Bauernhöfen, dampfenden Misthaufen und still gelegten Beizen trägt der FC Le Mont seine Heimspiele aus.

Und weil das so, reist der FC Aarau zweimal im Jahr nach Baulmes und trifft im Kleinstadion Sous-Ville auf Le Mont. Ein Vergnügen ist das nicht. Ein Vergnügen war es auch gestern Nachmittag nicht. Der Platz glich eher einem Acker als einem Fussballplatz. Und weil sich  die Temperaturen von Minute zu Minute dem Gefrierpunkt näherten, fühlten sich die gut gezählten 650 Zuschauer mehr in einer Kühltruhe oder in einem Eisschrank statt an einem Fussballspiel.

FC Le Mont-FC Aarau 0:0 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit Sandro Burki sowie mit Cheftrainer Marco Schällibaum

Ich kann Ihnen das alles erzählen, weil sich Le Mont und der FC Aarau während 93 zwar ein kampfbetontes, ja teilweise sogar rassiges Spiel lieferten, aber ein Tor fiel weder auf der einen noch auf der anderen Seite. FCA-Joker Nuno Da Silva schoss zwar nach 92 Minuten und 30 Sekunden einen Treffer, der von Schiedsrichter David Schärli wegen einer angeblichen Abseitsposition nicht gegeben wurde. Ob Nuno Da Silva tatsächlich im Abseits stand oder nicht, wird man aller Voraussicht nach nie genau wissen. Die Sicht aufs Spielfeld war in der Schlussphase wegen des immer dichter werdenden Nebels so schlecht, dass der Schiedsrichter, seine Assistenten, die Spieler und die Zuschauer komplett die Übersicht verloren.

Und so lautete das Resultat nach 93 Minuten 0:0. Und auf Seiten der Aarauer konnte sich eigentlich nur Ulisse Pelloni so richtig freuen. Der Torhüter des FC Aarau wird langsam, aber sicher unheimlich. In den sechs Meisterschaftspartien dieser Saison, in denen er zur Startformation zählte, kassierte er gerade mal ein Tor. „Natürlich freue ich mich über diese gute Bilanz“, sagte der 22-jährige Goalie. „Aber Fussball ist ein Mannschaftssport. Wir siegen zusammen. Wir verlieren zusammen.“ Pellonis Bescheidenheit in Ehren, aber diesmal hat keiner gewonnen und keiner verloren, diesmal gab es ein Unentschieden. Ein gerechtes Unentschieden, denn mehr als einen Punkt hätte der FC Aarau zum Abschluss der ersten Saisonhälfte gegen ein aktives, zweikampfstarkes und robustes Le Mont wirklich nicht verdient.

Der FC Aarau begann stark und hatte nach neun Minuten Pech, dass Ivan Audino mit einem Schuss aus 22 Metern nur den Pfosten traf. Nach einer Viertelstunde übernahm Le Mont das Kommando. Helios Sessolo und Fabrizio Zambrella hatten den Führungstreffer der Waadtländer auf dem Fuss. Kurz vor der Pause verfehlte Marco Thaler das Ziel mit einem Flachschuss aus zehn Metern nur knapp. Und Mitte der zweiten Halbzeit vergab Geoffrey Tréand die dritte hochkarätige Möglichkeit des FC Aarau. Auf der Gegenseite stellte Sessolo Pelloni mit zwei Knallern auf die Probe. Das war’s dann aber auch schon mit gefährlichen Szenen.

Marco Schällibaum wusste nach dem Schlusspfiff nicht so recht, ob er sich über den Punktgewinn freuen oder über den Verlust der zwei Zähler ärgern sollte. „Le Mont war der erwartet starke Gegner“, sagte der Trainer des FC Aarau. „Bei uns fehlte diesmal der letzte Zwick. Gegen Ende des Spiels waren wir dem Sieg allerdings näher. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Nuno Da Silva bei seinem Treffer in der 93. Minute im Abseits stand.“ Und so stellt sich zum Schluss halt schon die Frage: Hat der verflixte Nebel dem FC Aarau etwa einen Streich gespielt?

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