Sascha Studer hatte als Bub einen Traum. Der gebürtige Gunzger wollte im Verlauf der Karriere in der deutschen Bundesliga spielen. Ein Anfang ist gemacht: Seit Mitte Januar steht er beim Drittligisten Babelsberg unter Vertrag.

Erinnern Sie sich an den 1. April 2007? An das Super-League-Debüt von Sascha Studer beim FC Aarau? Der Torhüter war 15 Jahre, 6 Monate und 29 Tage alt, als er im Auswärtsspiel beim FC Sion den ersten Auftritt in der höchsten Spielklasse hatte. Studer konnte seine Nervosität nicht verheimlichen und machte daraus auch kein Geheimnis. Dennoch wirkte er souverän und hielt seinen Kasten bis kurz vor Schluss rein. Dann aber – und das ist kein Scherz – liess er einen harmlosen Flankenball passieren und kassierte den Treffer zum 1:1. Und wusste nach dem Abpfiff nicht so recht, ob er sich über den Fehler ärgern oder über seine ansonsten starke Leistung freuen sollte.

Durchschnitt, aber nicht gut

Die Szene im Stade de Tourbillon ist symptomatisch für den Verlauf der Karriere von Studer. Sie gleicht einem Wechselbad der Gefühle. Der 21-Jährige zeigte in den vergangenen Jahren sowohl beim FC Aarau als auch bei Winterthur ansprechende, aber keine überragenden Leistungen. Sagen wir es mal so: Studer ist ein durchschnittlicher, aber kein guter Torhüter. Und weil es durchschnittliche Torhüter wie Sand am Meer gibt, spielt er heute in der dritten deutschen Bundesliga. Der Transfer von Winterthur zum SV Babelsberg 03 während der abgelaufenen Winterpause ist für Studer mehr Notlösung als Wunschkonzert. Hat Studer die beste Zeit schon hinter sich? Nach dem Abstieg des FC Aarau in die Challenge League und des Wechsels von Stammtorhüter Ivan Benito zu GC 2010 wurde er im Brügglifeld die Nummer eins. Zu Beginn der Saison 2011/12 liess FCA-Trainer René Weiler Studer fallen und gab Joël Mall den Vorzug.

In den Ferien kam der Anruf

Nun sucht Studer sein Glück beim SV Babelsberg 03. Und das kam so. Der junge Mann weilte zum Jahreswechsel in Australien in den Ferien. Eines Tages kam eine Kurznotiz von seinem Berater. Der kleine Verein bekundete Interesse an einer Verpflichtung. Nach zwei Trainings und einem Testspiel war klar: Studer hat einen neuen Arbeitgeber. Zumindest bis Ende Saison. Flugs reiste er nach Berlin und wurde von einem Klubverantwortlichen der Babelsberger abgeholt.

Gegen die Anonymität

Seit Mitte Januar kämpft er mit dem Verein gegen den Abstieg in die Anonymität des Fussballs. Spiele gegen den Karlsruher SC, Preussen Münster und Osnabrück sind schön und gut – aber das grosse Glück sieht anders aus. Um den Stammplatz muss er kämpfen. Eine Wohnung hat er keine. Seine Bleibe ist momentan das Kongress Hotel in Potsdam. Studer fehlen verständlicherweise Familie, Freunde und Kollegen. «Es ist ganz okay in Babelsberg», sagt er. Das allerdings klingt wie eine Durchhalteparole. Auf die nächste Saison hin würde er gerne bei einem Verein im süddeutschen Raum anheuern. Hat jemand Interesse?