Wir sind in einem luftleeren Raum», sagte Alfred Schmid kürzlich in einem Interview. Der Präsident des FC Aarau sprach damit den sich seit Jahren verzögernden Bau des Stadions im Torfeld Süd an. In einem luftleeren Raum befindet sich der FC Aarau nach der ersten Saisonhälfte nicht nur in Sachen neuem Stadion, sondern auch im sportlichen Bereich.

Die folgenden Zahlen sprechen Bände: Mit 26 Punkten aus 18 Spielen ist die Mannschaft auf Rang vier klassiert. Der Zug nach vorne ist mit dem Alleingang des souveränen Tabellenführers FC Zürich längst abgefahren. Und die 13 Punkte Vorsprung auf den Letzten FC Schaffhausen sind in Sachen Abstieg ein beruhigendes Polster.

Für den FC Aarau war die Vorrunde ein Auf und Ab. Nach einem guten Start wurden im Heimspiel gegen den FC Zürich Ende September die Weichen in Richtung Mittelfeld und in Richtung Mittelmass gestellt. Der späte Gegentreffer zum 1:1 wegen eines kuriosen Eigentores von Captain Sandro Burki war der Auftakt einer Phase mit Pleiten, Pech und Pannen. Die Mannschaft verlor fünf von acht Spielen.

Der schwärzeste Tag der Vorrunde war der 22. Oktober. An diesem Samstag verlor die Mannschaft in Chiasso 1:3. Im Wissen, dass die Tessiner in der Vorrunde acht von neun Heimspielen verloren haben, mutet diese Niederlage beinahe grotesk an.

Der FC Chiasso ist für Aarau in dieser Saison sowieso ein Albtraum. Erinnern Sie sich an den Saisonauftakt? An das 1:1 im Brügglifeld? Damals verlor die Mannschaft von Trainer Marco Schällibaum gegen den als Abstiegskandidaten Nummer eins gehandelten Klub aus dem Tessin einerseits zwei Punkte, anderseits sahen mit Olivier Jäckle und Geoffrey Tréand zwei Spieler wegen Tätlichkeiten die rote Karte.

Kommen wir zu den Gewinnern und zu den Verlierern der Vorrunde: Ein Gewinner ist zweifellos Patrick Rossini. Mit seinen acht Toren ist er für den FC Aarau die offensive Lebensversicherung. Ein Kränzchen winden darf man auch Miguel Peralta, der vor seiner schweren Verletzung im rechten Knie stets zu den besten Spielern zählte. Bleibt Torhüter Ulisse Pelloni, der im Cup dreimal ohne Gegentreffer blieb und auch in der Meisterschaft überzeugen konnte.

Das Image des FCA litt unter den vielen Platzverweisen

Die grossen Verlierer heissen Michael Perrier und Bruno Martignoni. Sie sind meilenweit von einem Stammplatz entfernt. Die Erwartungen nicht erfüllen konnten auch Alessandro Ciarrocchi und vor allem Zoran Josipovic. Und wenn wir schon bei den kritischen Anmerkungen sind: Einen Imageschaden erlitt der FC Aarau wegen der sechs Platzverweise gegen Stéphane Besle (2), Olivier Jäckle, Geoffrey Tréand, Lorenzo Bucchi und Pascal Thrier. Besle wurde nicht nur zweimal vom Platz gestellt, sondern brach im Verlauf der Vorrunde auch leistungsmässig völlig ein.

In den 18 Spielen der Rückrunde geht es für den FC Aarau also nur noch um die goldene Ananas. Um einen Preis also, den es in der Realität gar nicht gibt. Ob Ende Saison Rang 3, 4, 5 oder 6 herausschaut, ist eigentlich egal. Die Verantwortlichen tun gut daran, das 60 000 Franken teure Trainingslager vom 18. bis 26. Januar in Marbella zu nützen, um das Konzept und die Strategie zu überdenken.

Interviews mit Sandro Burki sowie mit Cheftrainer Marco Schällibaum

Wichtig sind zwei Dinge: Will man in der Saison 2017/18 in Sachen Aufstieg ein Wörtchen mitreden, muss der eine oder andere spektakuläre Transfer getätigt werden. Nach dem Abgang von Artur Ionita im Sommer 2014 hat man es beispielsweise verpasst, eine klassische Nummer 6 mit Abräumer-Qualitäten zu verpflichten. Und als Zweites sollte man nicht immer nur von der Integration junger, hoffnungsvoller Talente aus der eigenen Nachwuchsabteilung Team Aargau sprechen. Nein! Man sollte Talenten wie Mats Hammerich, Raoul Giger und Noah Lüscher auch die Chance geben, sich in der ersten Mannschaft beweisen zu können.