In acht Tagen wird das Parlament gewählt, der Wahlkampf geht zu Ende. Jetzt wird kräftig darüber gelästert, wie flau er gewesen sei: «Polit-Plakate - lau wie die Parteien», titelte der «SonntagsBlick». «Erwärmung im lauen Wahlkampf» der «Tages-Anzeiger». «Wer mit einem stürmischen Wahlkampf 2011 rechnete, scheint sich getäuscht zu haben», schrieb die «Berner Zeitung». Politologin Regula Stämpfli analysierte in der «SonntagsZeitung»: «Wahlen sind zur Castingshow mutiert.»

Vor vier Jahren flogen in der Tat mehr Fetzen. Monatelang hielt ein vermeintlicher Geheimplan die Schweiz in Atem, eine angebliche Verschwörung rund um den damaligen Bundesrat Christoph Blocher. Alles Schall und Rauch, wie sich später herausstellte. Dann sorgten die schwarzen und weissen SVP-Schafe für Furor, ebenso das Fanal von SVP-stärken-Blocher-wählen. Zwei Wochen vor den Wahlen kam es am SVP-Umzug in Bern zu heftigen Ausschreitungen mit Verletzten und hohem Sachschaden.

SVP-Plakate bringen kaum mehr jemanden in Wallung

2011 gibt es keine Ausschreitungen, keine Intrigen und keine ernst zu nehmenden Geheimpläne. Auch die SVP-Plakate bringen kaum mehr jemanden in Wallung, denn mit der Zeit stumpft jede Provokation ab. Der Ausgang der Bundesratswahlen vom Dezember ist ungewiss wie selten, trotzdem elektrisieren sie die Menschen noch nicht.

Viel diskutiert wurden dagegen echte, relevante Sachfragen. Erstens die Energiezukunft: Sollen wir unsere AKW abschalten? Wenn ja, woher kommt dann der Strom? Wenn nein, sind die Risiken zu verantworten? Zweitens die Migration: Wie viel Zuwanderung verträgt die Schweiz? Sollen wir mit der EU neu verhandeln - oder gefährden wir so die wirtschaftlich vitalen bilateralen Verträge? Drittens der starke Franken: Wie sollen exportorientierte KMU auf den starken Franken reagieren? Was kann die Politik tun? Soll die Nationalbank den Franken an den Euro anbinden? - Kann sich jemand daran erinnern, dass am Stammtisch früher jemals über die Politik der Nationalbank diskutiert wurde?

2011 wollen mehr Bürgerinnen und Bürger an die Urne als 2007

Die Fülle an Themen, die die Menschen bewegen, schlägt sich auch im SRG-Wahlbarometer nieder: 2011 wollen mehr Bürgerinnen und Bürger an die Urne als 2007. Und die Mitte soll, erstmals seit langem, gestärkt werden - dank Grünliberalen und BDP. So wäre die Mitte zwar zersplittert wie noch nie, jedoch gesamthaft eben erstmals wieder stärker. Was auch ein Zeichen dafür wäre, dass die Menschen vor allem eine lösungsorientierte Politik wollen und nicht Slogans.

In den vergangenen Wochen kam man nicht um die Wahlen herum: Plakate überall, die Zeitungen voller Inserate, jeden Abend irgendwo ein Podium. Diskussionen mit Freunden drehen sich um Politik, Kandidaten verteilen Flyer, Medien bringen Duelle. Das alles soll flau sein? Nun, wenn man unter flau versteht: sachorientiert statt spektakulär, gesittet statt gewalttätig - dann freuen wir uns darüber, dass wir einen flauen Wahlkampf erlebt haben.