Herr Puppis, Sie fordern ein staatliches Infrastrukturprogramm für den Journalismus. Ist die Situation derart dramatisch, dass der Bund im grossen Stil einspringen muss?

Manuel Puppis: Es gibt noch immer qualitativ hochstehende Schweizer Medien. Doch das Geld wird knapp – und noch immer weiss niemand, wie ein für die Zukunft tragfähiges Geschäftsmodell ausschauen könnte. Seit Jahren wandern Werbung und Nutzer ins Internet ab, zu Facebook und Google. Daher: Ja, die Zeit ist reif für staatliche Subventionen.

Was schlagen Sie vor?

In einer direkten Demokratie braucht es die Sender eines starken und durch eine Haushaltsabgabe öffentlichkeitsfinanzierten Service public genauso wie schlagkräftige private Medien. In Zukunft aber sollten beide direkt mit staatlichen Geldern unterstützt werden.

Im Internet soll die SRG keinen Beschränkungen mehr unterworfen sein, fordern Sie. Im Gegenzug soll sie auf Werbung verzichten müssen.

Wenn der öffentliche Rundfunk ohne Werbung auskommen muss, sinken seine Einnahmen. Unter Spardruck wird sich die SRG dann überlegen müssen, welche ihrer Programme und Inhalte verzichtbar sind. Das ist vertretbar.

Was wäre der Vorteil?

Der Anreiz, kommerzielle Sendungen zu produzieren, würde sinken, was dem Grundgedanken des Service public entspricht und gleichzeitig den privaten Medien hälfe, die solche Angebote bereitstellen könnten und zu denen wohl ein beträchtlicher Teil der bisherigen SRG-Werbegelder flösse.

Die Medien sind weltweit in einer Glaubwürdigkeitskrise, ihre Deutungsmacht wird angezweifelt. Was können wir dem entgegensetzen?

Wir müssen qualitativ hochwertigen Journalismus stärken – auch und gerade online, wo viele junge Menschen all ihre Informationen beziehen. Ausserdem sollten wir die Medienkompetenz der Nutzerinnen und Nutzer trainieren. Sie müssen lernen, wie und woran man «fake news» und PR erkennen kann.

Medien und Meinungsmacht untersucht

Bern - 09.01.17. - Welche Rolle spielen die Sozialen Medien? Lohnt es sich noch auf unabhängige Service-Public-Anbieter zu setzen? Was kann der Staat tun um Medienkompetenz in der Bevölkerung zu stärken. Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) zum Thema Medien und Meinungsmacht.