«Hallo, sind Sie noch da?». Dieser und ähnliche Sätze gehören mittlerweile zum Standard bei Bahnreisen durch die Schweiz. Jeder Berufspendler weiss, dass Telefonate im fahrenden Zug zu einem regelrechten Spiessrutenlauf werden.
Passagiere hinter dem Schutzschild
Das Problem liegt aber nicht an den fehlenden Antennen entlang der Bahnstrecke. Das Antennennetz wurde in den vergangenen Jahren ständig ausgebaut, die Swisscom erreicht so schon 99,8 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Vielmehr hindern die Scheiben die Funksignale. Diese sind mit metallurgisch beschichtet und dienen zur besseren Isolation der Wagen - reflektieren aber gleichzeitig auch die Handy-Strahlung. «Für das Signal sind unsere Zugsfenster ungefähr vergleichbar mit einer massiven Betontüre», erklärt Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB.
Damit Telefonate im Zug überhaupt funktionieren, sind in den einzelnen Waggons des Zuges sogenannte «In-Train-Repeater» eingebaut. Diese sammeln die Funksignale und leiten diese gebündelt über eine Aussenantenne zu den nächsten Mobilfunkmasten. Dies funktionierte bis heute jedoch höchstens auf dem 2G-Netz, sprich mit GSM- oder EDGE-Geschwindigkeit. Je mehr Personen gleichzeitig das Handy zum Telefonieren oder Surfen benutzten, desto instabiler wurde das Netz.
Erste Wagen umgerüstet
Szenenwechsel, Dienstagmittag am Hauptbahnhof in Solothurn. Wer um 13.01 Uhr in den ICN nach St. Gallen einstieg und sein Handy zückte, erlebte eine Neuheit. Die Zugskomposition mit dem Namen «Jean-Jacques Rousseau» ermöglichte unterbruchfreies Surfen, und dies selbst in den Tunnels auf der Neubaustrecke Inkwil-Rothrist.
Die SBB bestätigen die revolutionäre Neuheit. «In rund 1000 Wagen und 51 ganzen Zügen werden Repeater der nächsten Generation eingebaut», so Ginsig. Die SBB beteiligen sich dabei an den Umbaukosten, die Repeater werden von den drei grossen Providern Swisscom, Orange und Sunrise bezahlt.
In den zahlreichen Tunnels der Neubaustrecke macht sich die Neuerung besonders bemerkbar. Dort wird gleichzeitig der Tunnelfunk angepeilt. Zusammen mit den neuen Repeatern ergibt sich ein unterbruchfreies Netz auf der ganzen Neubaustrecke zwischen Solothurn und Olten, einer Bahnlinie, welche bis anhin für ihre Netzunterbrüche berüchtigt war.
«Bis Ende 2013 wird ein Grossteil der Wagen umgebaut sein», sagt Mediensprecher Ginsig. Der Umbau gehe entsprechend lange, da man die Wagen bei laufendem Betrieb umbauen müsse. Der Einbau der neuen Repeater geschehe im normalen Wartungsturnus der Züge. Läuft alles nach Plan, ist das 3G-Netz providerunabhängig bis Ende Jahr in rund 100 Wagen verfügbar.
W-Lan in Planung
Mit einem kabellosen Internetanschluss in den Zügen für alle Endgeräte lassen sich die SBB hingegen noch mehr Zeit. Die neuen Fernverkehrszüge werden als erster Teil des SBB-Rollmaterials W-Lan an Bord anbieten. Dies wird aber erst 2014 der Fall sein. Ob das Angebot etwas kosten wird, ist noch unbekannt.