Als Schachspieler weiss SP-Präsident Christian Levrat: Ohne König geht es nicht. Kein Wunder bittet er die Journalisten am Dreikönigstag jeweils zum Stelldichein und präsentiert neben einem Rückblick aufs abgelaufene Politjahr auch die aus seiner Optik wichtigsten bevorstehenden Geschäfte.

Die SP-Veranstaltung am 6. Januar findet schon seit Jahren statt und gibt sich bewusst ungezwungen – es soll mehr freundschaftlicher Austausch als knallharte Auseinandersetzung sein. Dass so was zieht, hat nun offenbar auch die CVP bemerkt. Nachdem er Ähnliches schon auf kantonaler Ebene organisiert hatte, lud der neue CVP-Präsident Gerhard Pfister zum ersten Mal auch national zum Dreikönigsgespräch – nur eineinhalb Stunden vor dem SP-Anlass.

Die Absicht dahinter ist klar: Organisieren verschiedene Parteien gleichentags eine Veranstaltung, die sich ans selbe Publikum richtet, entzieht dies dem politischen Gegner einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Oder anders gesagt: Man stiehlt ihm die Show. Die Dreikönigsanlässe sind dabei bei weitem keine Einzelfälle. Das nächste Beispiel folgt schon morgen: Um 9.15 Uhr präsentiert das Komitee «Ja zum NAF» seine Argumente für den neuen Strassenfonds, um 14.30 Uhr folgen die Gegner. Ähnliches ist bei fast jeder Abstimmung zu beobachten.

Nun warten wir nur noch darauf, dass die Schweizer Parteien die traditionellsten Anlässe ihrer politischen Rivalen mit Gegenveranstaltungen konkurrenzieren. Wie wäre es mit einem Alternativ-Festival mit World-Music und Bio-Food vor den Toren der Albisgüetli-Tagung der SVP? Und würde sich die grosszügige Fläche des Zürcher Kasernenareals, welche die SP jeweils am 1. Mai für sich beansprucht, nicht auch wunderbar für einen Buurezmorge eignen?