Die Einreisezahlen in die Schweiz sind rückläufig, die Hotellerie leidet unter einem ungünstigen Wechselkurs und massiven Gästeschwund – doch gleichzeitig schiessen Luxushotels wie Pilze aus dem Boden. Die derzeitige Innovationslust für Top-Hotels und -Residenzen ist eindrücklich und überrascht angesichts der Katerstimmung in der Schweizer Tourismusindustrie und dem einschränkenden Zweitwohnungsgesetz. Von Andermatt bis Verbier zeichnen sich spektakuläre Hotelprojekte ab, die die Schweiz in dieser Grösse, diesem Investitionsvolumen und solchem Design noch kaum je gesehen hat. Wann eröffnen diese neuen Häuser? Welche Investoren stecken dahinter? Was sind ihre Absichten? Und welche Gäste wollen sie in die neuen Luxus-Tempel locken?

Die grösste Baustelle befindet sich derzeit in Andermatt UR auf einer Fläche von 1,4 Millionen Quadratmetern. Das entspricht 200 Fussballfeldern. Hier entsteht ein integriertes Ferienresort mit sechs Hotels, 490 Wohnungen und 20 Villen. Dazu gehören ein Golfplatz, ein Schwimmbad, Restaurants und eine modernisierte Ski-Infrastruktur. Obwohl die internationale Finanzkrise die Finanzierung des Projekts aus dem laufenden Cashflow erschwerte, setzt der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris mit seiner Orascom Development Holding alles daran, die anvisierten Ziele wie geplant umzusetzen. Zuerst wird das Fünfsterne-Superior-Hotel The Chedi Andermatt fertig werden.

Gäste aus Europa

Robert Fellermeier, der Geschäftsführer von Andermatt Swiss Alps, einer Tochter der Orascom Development, sagt: «Im Dezember 2013 eröffnen wir das Hotel The Chedi Andermatt und die erste Villa, 2014 folgen die ersten beiden Apartmenthäuser. Auch der Golfplatz ist praktisch fertig.» Verzögerungen gibt es beim geplanten «Radisson Blu Hotel». Ansonsten sei man «on track».

Doch woher sollen künftig all die Gäste kommen? Fellermeier sagt dazu: «Mit Gästen rechnen wir aus der Schweiz und aus dem europäischen Ausland. Mit Skistar, dem Partner für das Skiresort, haben wir schon bestehende Verbindungen nach Skandinavien.» Die Idee eines integrierten Resorts bedeutet, dass die einzelnen Bereiche zusammenhängen und nur zusammenhängend funktionieren. «Es geht hier nicht um ein einzelnes Hotel, das autark arbeitet», erklärt Fellermeier.

Resort für 485 Millionen

Mehr als ein Hotel entsteht auch auf dem Bürgenberg NW. Bis 2015 soll das umfassende «Bürgenstock Resort» fertiggestellt werden. Dazu gehören drei Luxushotels mit 400 Zimmern, ein Medical-Wellness-Center, 68 Residenz-Suiten, ein topmodernes Konferenzzentrum und ein immenses Spa – inklusive Traumaussicht auf den Vierwaldstättersee. Nicht zu vergessen: zwölf Restaurants und Bars. Total beläuft sich das Investitionsvolumen auf 485 Millionen Franken.

Diesen Betrag bringt die Katara Hospitality Ltd. aus Doha auf. Managing Director der Katara Hospitality Switzerland AG ist Bruno H. Schöpfer, einer der erfolgreichsten Schweizer Hotelmanager. Er stand während fünf Jahren als CEO der Mövenpick Holding vor und war während 15 Jahren bei Mandarin Oriental unter Vertrag.

Die beiden Pfeiler Medizintourismus und Konferenzen sollen dem «Bürgenstock Resort» zum Erfolg verhelfen. Im Waldhotel – von Architekt Matteo Thun entworfen – stehen Gesundheit und Medical Wellness im Zentrum. Neben Beauty- und Relax-Behandlungen gehts hier um postoperative Erholung und die Behandlung von Burn-out-Patienten. Gleichzeitig wird das Resort dank der spektakulären und abgeschotteten Lage zu einem Konferenz-Standort, der auch auf internationalem Level zu einer ersten Adresse avancieren dürfte.

Bevor auf dem Bürgenstock und in Andermatt die ersten betuchten Gäste vorgefahren werden, öffnet schon Ende März ein weiterer Luxus-Tempel in der Zentralschweiz: das «Park Hotel» in Vitznau LU. 2009 hat der österreichische, in der DDR aufgewachsene Investor Peter Pühringer das «Park Hotel» erworben und für 250 Millionen Franken das historische Gebäude umgebaut.

Das Luxus-Suiten-Hotel wartet mit Top-Gastronomie, einem medizinischen Komplex und einem Vermögenszentrum auf. Nur gerade 47 Residenzen und Suiten bietet das «Park Hotel», dafür haben sie ihren Preis – die Übernachtung kostet zwischen 900 und 3500 Franken. Die Residenzen sind zwischen 80 und 160 Quadratmeter gross, die Suiten zwischen 65 und 80 Quadratmeter.

Michael Horacek, Pressesprecher und rechte Hand von Peter Pühringer, erwartet eine breit abgestützte Klientel: «Für uns sind die EU, USA, Russland und der Mittlere Osten gleichermassen wichtig, noch nicht wirklich erschlossen ist der chinesische Markt.» Als wichtigen Erfolgsfaktor nennt er die Reha-Klinik, aber auch den gastronomischen Bereich mit dem genauso gut assortierten Weinkeller wie im Schwesterhotel Palais Coburg in Wien, das ebenfalls Peter Pühringer gehört.

Einige ausländische Financiers

Doch Samih Sawiris, der katarische Staatsfonds oder Peter Pühringer sind nicht die einzigen ausländischen Financiers, die derzeit grosse Investitionen in die Schweizer Hotellerie tätigen. Der chinesische Multimillionär Yunfeng Gao kauft Nobelhotels in Engelberg OW und Melchsee-Frutt (Kerns OW). In Engelberg plant Gao das Fünfsterne-Superior-Hotel Kurpark, das den in die Jahre gekommenen «Europäischen Hof» und den Kursaal integriert, in Melchsee-Frutt hat er im vergangenen Jahr die «Frutt Lodge» gekauft. Gao führt im chinesischen Shenzhen eine Laser-Technologie-Firma mit mehreren tausend Mitarbeitenden.

Und in Verbier entsteht bis Dezember 2013 das erste W-Hotel im Alpenraum, das neue Fünfsternehotel Les
Trois Rocs mit 131 Zimmern und Suiten. Die stylischen W-Hotels gehören zum amerikanischen Starwood-Konzern, bekannt etwa als eine der ersten Adressen in Barcelona. Das Investitionsvolumen beträgt 160 Millionen Franken.

Noch deutlich mehr, rund 400 Millionen Franken, investiert eine russische Gruppe in Crans-Montana. Das Resort Village Royal soll 2016 fertiggestellt werden und 160 Luxusappartements, 350 Hotelzimmer und 50 Chalets umfassen, ebenso eine 12 000 Quadratmeter grosse Geschäftszone mit Restaurants, Kunsteisbahn, Schwimmbädern sowie einem Konferenzzentrum.

Und bereits eröffnet hat im Dezember 2012 das «Alpina» in Gstaad. Der französische Erbe eines Zuckerimperiums, Jean-Claude Mimran, hat 300 Millionen Franken in «The Alpina Gstaad» gesteckt.

Investitionen für rund 1 Milliarde

Doch wieso zieht es so viele ausländische Investoren mit solch gigantischen Investitionssummen in die Schweiz? Bruno H. Schöpfer schreibt auf Anfrage: «Das neue Bürgenstock Resort ist Teil einer globalen Strategie der Investoren aus Katar.» Er verweist auf das 2011 eröffnete Hotel Schweizerhof in Bern und das Hotel Royal Savoy in Lausanne, das 2014 eröffnet wird.

Das gesamte Investitionsvolumen in der Schweiz umfasse rund eine Milliarde Franken für alle drei Objekte. «Investitionen in Tourismusprojekte, vorab in die gehobene oder 5-Sterne-Hotellerie an besten Standorten wie auch in historisch wertvolle Traditionshäuser, ist die Passion der Investoren. Hinzu kommt, dass solche erstklassige Immobilien stabile Werte in einem politisch sicheren Umfeld darstellen; es handelt sich um eigentliche Immobilien-Perlen in einem langfristig angelegten Werte-Portefeuille.»

Robert Fellermeier, der übrigens unter Bruno H. Schöpfer bei den Mövenpick Hotels tätig war, begründet die Nachfrage ausländischer Investoren so: «Die Schweiz ist ein sicherer Hafen. Das Beispiel Dubai hat in der Vergangenheit gezeigt, dass Investitionen riskant sein können. Die Schweiz dagegen ist ein Fels in der Brandung, das Basisland der Demokratie. Es gibt derzeit wohl kaum eine sicherere Art, in Immobilien zu investieren als in der Schweiz.»

Und Michael Horacek vom «Park Hotel» Vitznau begründet die Lust ausländischer Investoren, in der Schweiz Grossprojekte zu lancieren, mit Gestaltungsmöglichkeiten und Steuervorteilen. Doch nicht alle Luxushotel-Projekte, die zurzeit entstehen, sind mit ausländischen Geldern finanziert.

Bei zwei künftigen Flaggschiffen der Schweizer Hotellerie stehen Schweizer Banken im Hintergrund. Die Credit Suisse investiert in das «Intercontinental Davos Resort & Spa» 155 Millionen Franken. Bis im November 2013 soll das Fünfsternehaus mit 216 Zimmern und Suiten fertiggestellt sein und mit seinem UFO-Design für Furore sorgen.

In Leukerbad VS haben im vergangenen Herbst die Bauarbeiten für die Projekte «51 Degree Spa Residences» und «Du Parc Kempinski Private Residences» begonnen. Die Swiss Development Group (SDG) finanziert das Projekt mithilfe von Schweizer Banken – mit 250 Millionen Franken. Insgesamt entstehen 30 Appartements und ein Fünfsternehotel mit 90 Betten – und 51 Grad warmem Thermalwasser in den Whirlpools der Zimmer.