In Teilen der Bevölkerung bestehe nach wie vor ein Misstrauen gegenüber der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), stellten Vertreter des Vereins Kescha am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich fest. Die vor vier Jahren geschaffene Kesb steht immer wieder in der Kritik. So auch im Fall Flaach; wo sich die Mutter gegenüber der Behörde, die ihre Kinder ins Heim brachte, hilflos ausgeliefert fühlte.

Die ständige Kritik an der Kesb habe eine Stimmung erzeugt, welche die Zusammenarbeit erschwere, betonte Guido Fluri, Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung, die die KESCHA initiiert hat. Heute seien Gruppierungen aktiv und es stünden politische Vorstösse im Raum, die darauf abzielten, die Kesb zu schwächen.

Die Stiftung hatte vor vier Jahren die Wiedergutmachungsinitiative für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen des letzten Jahrhunderts initiiert. Vor zwei Jahren habe man bei den Opfergruppen, die sich bei der Stiftung gemeldet haben, eine Veränderung bemerkt, sagte Fluri.

"Plötzlich kamen nicht nur ehemalige Heim- und Verdingkinder, sondern auch junge Mütter und Väter in die Beratung, die von Problemen mit der KESB oder mit Beiständen berichteten und bei uns verzweifelt Hilfe suchten." An diesem Punkt habe die Stiftung gemerkt, dass es eine "neue, eigenständige, neutrale Anlaufstelle für Kindes- und Erwachsenenschutzfragen brauche.

Kesb nicht demontieren

Im Gegensatz zu den Kritikern will die Stiftung laut Fluri die KESB nicht schwächen. Für einen guten Kindes- und Erwachsenenschutz brauche es professionelle und empathische Behörden. Die KESCHA wolle jedoch, dass Betroffene ihre Rechte und Pflichten kennen und für ihre Rechte einstehen können.

"Vor allem aber wollen wir Eskalationen verhindern und Betroffenen Perspektiven aufzeigen, damit der Dialog mit den Fachbehörden und Beiständen wieder aufgenommen werden kann", sagte Fluri. Es gebe Personen, die Angst vor der Kesb oder dem Beistand hätten und sich aus diesem Grund einer Zusammenarbeit verweigerten.

Selbst wenn alles richtig laufe, seien die Betroffenen oft verunsichert oder es herrsche eine latentes Misstrauen. Das schade sowohl dem Kindes- als auch dem Erwachsenenschutz. Die Kescha wolle auf Verbesserungen hinarbeiten, ohne die Kesb mit pauschalen Vorwürfen zu demontieren.

Ausbau geplant

Realisiert wurde die neue Anlaufstelle gemeinsam mit Integras, dem Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik, der Stiftung Kinderschutz Schweiz, der Kinderanwaltschaft Schweiz, PACH Pflege- und Adoptivkinder Schweiz und der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes).

Betreut wird die Einrichtung an der Limmatstrasse in Zürich vorläufig von zwei Mitarbeitenden. Ein Ausbau sei jedoch geplant, sagte Fluri. Die Kosten von "ein paar 100'000 Franken" werden in den nächsten zwei bis drei Jahren von der Stiftung getragen.

Pauschale Kritik bringt nichts

André Woodtli, Vizepräsident der Stiftung Kinderschutz Schweiz, ist überzeugt, dass es für einen gut funktionierenden Kindesschutz ein niederschwelliges Angebot wie die Kescha braucht. Als "unabhängige Verständigungshilfe" könne sie verzweifelten Eltern psychologische Unterstützung bieten und im Bedarfsfall auch einen Rechtsbeistand vermitteln.

Diana Wider, Generalsekretärin der Kokes, ist überzeugt, dass die Anlaufstelle nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Kesb hilfreich ist. Pauschale Kritik an der KESB bringe nicht weiter. "Wir wollen im Einzelfall wissen, wo der Schuh drückt."

Die Anfragen bei der Anlaufstelle Kescha werden deshalb durch das Familieninstitut der Universität Freiburg systematisch ausgewertet. Die Erkenntnisse sollen in die Arbeit der zuständigen Behörden einfliessen. Zwei Mal jährlich ist ein Austausch mit der KOKES geplant. Dabei will man - unabhängig vom konkreten Einzelfall - mögliche Verbesserungen in den Abläufen diskutieren.

Insgesamt leiste die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gute Arbeit, betonte Wider. Die Massnahmen würden umsichtig ausgesprochen. Man habe aber von allem Anfang gewusst, dass es rund zehn Jahre dauern werde, bis bei der grundlegende Reform des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes alles rund laufen werde.

Für den Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr, Vizepräsident von Pro Infirmis und Kescha -Vorstandsmitglied, ist klar: Kritik an der Kesb ist ernst zu nehmen. Für die anzustrebenden Verbesserungen brauche es aber keine langwierigen gesetzlichen Änderungen, die bestehende Gesetzgebung sei ausreichend.