Der Eingang ist unscheinbar. Nichts deutet darauf hin, dass das alte Industriegebäude in Schlieren spirituelle Heimat für die bosnischen Muslime des Kantons Zürich und der umliegenden Kantone ist. Anlässlich der Woche der Religionen, die zum zehnten Mal von der interreligiösen Arbeitsgemeinschaft IRAS COTIS organisiert wurde, öffnete die islamische Gemeinschaft Bosniens ihre Moschee und lud zum Dialog und zur Begegnung ein.

Muris Begovic, stellvertretender Imam der bosnischen Glaubensgemeinschaft, ist stolz auf sein Gotteshaus: «Aus einem Industriegebäude haben wir eine der schönsten Moscheen der Schweiz gebaut», sagt er anlässlich eines Rundgangs und fügt mit einem Augenzwinkern an: «Moslems brauchen weder eine Kuppel noch ein Minarett, um in den Himmel zu kommen.»

So unscheinbar und heruntergekommen das Gebäude von aussen wirkt, so harmonisch sind die sakralen Räume im Innern gestaltet. Das verwendete Nussbaumholz stammt aus Bosnien, der Heimat der Gläubigen. Die Ornamente des weichen Teppichs, der nicht mit Schuhen betreten werden darf, weisen gegen Mekka. Es sei eben nicht möglich gewesen, das ganze Gebäude dem Glauben entsprechend auszurichten, erklärt Begovic. So habe man sich für diese pragmatische Lösung entschieden.

Muris Begovic lebt seit 2007 in der Schweiz und sagt: «Wir brauchen keine Prediger aus dem Ausland. Es ist uns wichtig, dass ein Imam auch Deutsch spricht und hier integriert ist. Darum setzen wir uns dafür ein, dass es für angehende Imame eine Möglichkeit gibt, ihre Ausbildung in der Schweiz zu absolvieren.»

Umweltschutz und der Koran

Das Motto für diese Tage lautete «Umweltschutz im Islam». Die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) wollte das Augenmerk für einmal auf ein anderes Thema als den Terrorismus lenken, so Begovic. «Umweltschutz hat im Islam einen hohen Stellenwert, denn der Koran sagt, dass Allah den Menschen diese Welt anvertraut hat. Es ist eines der höchsten Gebote des Korans, der Umwelt Sorge zu tragen.» Eine Broschüre, basierend auf den Suren des Korans, leitet die Gläubigen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit an.

Daniel Zeller ist mit seiner Familie aus Zürich angereist: «Gerade in Zeiten wie diesen sollten wir viel mehr miteinander ins Gespräch kommen», sagt er. Dass die Moscheen ihre Türen öffnen, sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Auch Kurt Vogt, katholischer Pfarrer in Schlieren, hat die Gelegenheit für einen Moscheebesuch genutzt. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur bosnischen Glaubensgemeinschaft und arbeiten in vielen Bereichen zusammen, in der Jugendarbeit zum Beispiel oder regelmässig anlässlich des Schlierefäschts. Und ich frische mein Wissen über den Islam immer wieder mal gerne auf.»

«Kommt vorbei»

Im Aufenthaltsraum warten Zilha, Saliha und Amna, drei junge Muslima, auf Besucher. «Wenn die Menschen Mühe haben mit unserer Religion, warum kommen sie dann nicht hierher und sprechen mit uns», sagt Amna und Saliha erzählt, dass eine Frau, die in der Moschee kocht und ein Kopftuch trägt, auf dem Heimweg bereits zweimal tätlich angegriffen wurde. «Das macht mich traurig.» Auch ihre Mutter trage ein Kopftuch und traue sich nicht mehr, abends alleine mit dem Bus nach Hause zu fahren. Saliha sagt: «Unsere Moschee ist immer offen für alle. Kommt vorbei und besucht uns.»