Dunstabzüge, die per Knopfdruck verschwinden, Kochinseln, die man mit einem Fingerwisch in der Höhe verstellen kann, Kühlschränke, die man wie eine Wandtafel beschriften kann. Was die Technik in der Küche so alles möglich macht, wird derzeit an der Messe Swissbau in Basel präsentiert (bis Samstag, 16.1.).

Wenn man durch die Stände flaniert, hat man nicht mehr das Gefühl, in einer Küche zu stehen. Man sieht vor allem wuchtige Arbeitsinseln aus Massivholz oder mit polierten Stahloberflächen, die so gar keine Sinnlichkeit ausstrahlen. Diese kühlen, leeren Küchen mögen für ein Einrichtungsmagazin adrett daherkommen, aber die Lust am Kochen wecken sie nicht wirklich.

Die ganz schön smarte Küche von «Tielsa» alarmiert in Notfällen sogar die Polizei.

Immer smarter und vernetzter bauen die Hersteller ihre Küchen. Doch wollen wir das überhaupt? «Nicht unbedingt», weiss Trendforscherin Oona Horx-Strathern. «Ich glaube sogar, dass die Küche der Zukunft einiges weniger technologiegesteuert sein wird, als viele Hersteller heute annehmen.»

Viel wichtiger sei nämlich die Möglichkeit, dass wir taktile, sinnliche Erlebnisse in den Küchen erfahren könnten, ist die Trendforscherin überzeugt, die auf Einladung von Küchenhersteller Alno an der Swissbau über die Zukunft der Küche referierte. Bedeutet das etwa, dass wir uns wieder in die Vergangenheit begeben? Bilder, die sie während ihres Referats zeigte, deuten tatsächlich darauf hin. Zwar werden wir uns weder in Höhlen noch Hütten zurückbewegen. «Aber die Küche wird chaotischer, geruchsintensiver und definitiv interessanter, um darin zu kochen.»

Smart-Tech statt High-Tech

Die Trendforscherin betrachtet das Thema nicht einfach durch die Glaskugel. Erst kürzlich hat sie mit ihrem Mann Matthias Horx eine Art Zukunftshaus am Stadtrand von Wien gebaut. «Wir sind die Versuchskaninchen der Trends, von denen wir reden und die wir untersuchen.»

Schon bei der Planung habe sich herausgestellt, dass die Küche ein Minenfeld sei. «Männer denken, dass sie dort viele neue Technologien brauchen. Diese sorgen zwar für einen Wow-Effekt, sind oft aber gar kein Gewinn an Lebensqualität, und manchmal weiss man nicht einmal, wie man sie bedient.»

Statt auf High-Tech setze man künftig auf Smart-Tech, das das Kochen sinnvoll vereinfacht. «Sonst werden wir bald zu digitalen Hausmeistern einer wuchernden Komplexität, die nur noch Geräte verwalten, aber nicht mehr kreativ sein dürfen.» So mag es nicht erstaunen, dass der grösste technische Luxus in ihrer Küche ein Quooker ist – ein Wasserhahn, aus dem kochendes Wasser kommt. «Damit spart man in der Küche viel mehr Energie und Zeit als mit einem intelligenten Kühlschrank.»

So kritisch sieht das Christian Hartmannsgruber, CEO von Küchenbauer Tiesla, nicht. Für ihn machen gewisse Technologien durchaus Sinn, «weil sie auch gesundheitliche Vorteile bringen». So hat Tiesla höhenverstellbare Küchenmöbelelemente entwickelt, die per Knopfdruck auf die jeweiligen Nutzer angepasst werden können, oder einen sensorgesteuerten Boden, der Alarm schlägt, wenn jemand bewusstlos am Boden liegt.

Auch die Zukunftsküche im Hause Horx setzt den Menschen in den Mittelpunkt – nur auf einer gesellschaftlichen Ebene. Sie ist nicht bloss ein Ort, wo gekocht wird. «Hub» nennt die gebürtige Engländerin ihn – die Basis des Familienlebens. «Ein sozialer und kommunikativer Treffpunkt.» Der Esstisch ist eine Bar, wo man sich auf Augenhöhe begegnet, arbeiten, reden und diskutieren kann.

Horx zitiert ihre Lieblingsköchin Nigella Lawson: «Die Küche ist nicht nur der Raum, in dem ich koche, sie ist der Ort, an dem ich lebe.»

Das Wohnzimmer liegt übrigens im gleichen Raum – ohne Fernseher, dafür mit einem offenen Cheminée. Doch eine Art Rückkehr zur Feuerstelle.