Ein mutmasslicher Betreiber des illegalen Streaming-Portals «kinox.to» musste sich gestern in Leipzig vor dem Gericht verantworten. Dem 29-Jährigen wird Urheberrechtsverletzung in 767 000 Fällen, Nötigung, Computersabotage und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Zwei weitere Verdächtige sind auf der Flucht.

Nachdem die Streaming-Plattform «kino.to» 2011 abgeschaltet wurde, wurde das Nachfolgerportal «kinox.to» lanciert. Seitdem bietet die Website illegale Raubkopien aktueller Filme und Fernsehserien im Internet an.

1. Warum ist es so schwierig, herauszufinden, wer hinter einer Plattform wie «kinox.to» steht?

Die Leute hinter den illegalen Streaming-Plattformen geben sich meist nicht zu erkennen. Oftmals agieren sie zudem aus dem Ausland oder wissen ihre Spuren zu verwischen. Urheberrechtsexperte Martin Steiger ist aber skeptisch: «Es fällt mir angesichts der globalen Massenüberwachung schwer, zu glauben, dass es nicht möglich sein soll, die mutmasslichen Betreiber zu identifizieren.»

2. Warum wird eine illegale Streaming-Seite nicht deaktiviert?

Im aktuellen Fall von «kinox.to» konnten die Ermittler die Plattform bisher nicht abschalten, da ihnen die nötigen Zugangscodes dafür fehlen. Ausserdem handeln laut Steiger viele Betreiber von Streaming-Websites aus Ländern, in denen es schwierig sei, die geltenden Rechte durchzusetzen.

3. Welche Strafen erwarten die Betreiber von illegalen Plattformen?

2012 gelang es deutschen Ermittlern, «kino.to», das Vorgängerportal von «kinox.to», zu schliessen und vier Verantwortliche vor Gericht zu bringen. Die Angeklagten erhielten allesamt mehrjährige Haftstrafen und mussten hohe Schadenersatzbeträge an die Urheber und Rechtsinhaber leisten.

4. Was ist der Unterschied zwischen «kinox.to» und «megaupload»?

«Megaupload» war kein Video-Portal, sondern ein Dienst zum Abspeichern und Teilen von Dateien, vergleichbar mit dem legalen Dienst «Dropbox». Die Plattform von Kim Dotcom war eine riesige, öffentliche Datenbank, die auch Filme abspeicherte. Jeder konnte sich unbeschränkt bedienen. Die Ermittlungen gegen den Betreiber Kim Dotcom laufen weiter.

5. Darf ich Filme und Serien auf Portalen wie «kinox.to» schauen?

«Nach Schweizer Recht darf man Inhalte über ‹kinox.to› zum Privatgebrauch konsumieren», erklärt der Zürcher Rechtsanwalt Steiger. Man mache sich nicht strafbar, auch wenn Urheberrechtsverletzungen vorlägen. Filme dürften heruntergeladen und auf dem Computer gespeichert werden. Nur der Upload von Raubkopien ist illegal und kann zu einer Strafverfolgung führen.

6. Was ist der Unterschied zwischen «kinox.to» und Youtube?

Youtube ist eine legale Video-Plattform, die von Google betrieben wird. Die Videos werden hauptsächlich von Nutzern hochgeladen. Youtube wird aktiv, sobald ein Unternehmen meldet, dass Urheberrecht eines Filmes oder eines Musikvideos verletzt worden seien. Von sich aus kontrolliert Youtube die hochgeladenen Inhalte aber nicht. Dies wird oft kritisiert, da die Urheberrechte vielfach nicht beachtet werden. «kinox.to» ist eine Plattform, deren Betreiber unbekannt sind. Alle Filme und Serien sind Raubkopien. Um Urheberrechte schert sich die Website überhaupt nicht. Das Portal finanziert sich durch fragwürdige Werbung. Zudem kann eine solche Website die Sicherheit des eigenen Computers gefährden, da man sich durch das Ansehen von Filmen Viren auf den Rechner ziehen kann.

7. Warum darf Youtube unbeschränkt Videos streamen?

Videos streamen darf jeder, sofern er technisch dazu in der Lage ist. Auf Youtube werden die Urheberrechte oftmals missachtet. Youtube wurde deshalb bereits mehrmals verklagt. Um weiter Klagen zu verhindern, hat Youtube das sogenannte Content-ID-System eingeführt. Alle hochgeladenen Videos werden mit einer Datenbank verglichen. Die Urheberrechtsinhaber können dann entscheiden, ob die betreffenden Videos wieder gelöscht werden müssen oder nicht.

8. Welche legalen Alternativen zu «kinox.to» gibt es?

Viele deutschsprachige Fernsehsender bieten online umfassende und zu grossen Teilen auch kostenlose Mediatheken an: Dokumentarfilme, Fernsehserien und Sendungen können legal geschaut werden. Wie bereits erwähnt, können Videos und teilweise auch Filme auf Youtube geschaut werden. Ausserdem gibt es zahlreiche Bezahlangebote wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime, die Spielfilme und Serien bereitstellen.