Trotz Bauboom und der damit verbundenen regen Nachfrage nach Holz ist die schweizerische Holzwirtschaft unter Druck: Einerseits fehlt die rund 500000 Kubikmeter grosse Verarbeitungskapazität des Mitte 2010 geschlossenen Grosssägewerks in Domat/Ems, andererseits drückt der aufgrund des starken Schweizer Frankens ansteigende Import von Schnittwaren die inländischen Preise. «Aktuell ist die Schweizer Waldwirtschaft durch den schwierigen Holzmarkt geprägt», bestätigt Urs Wehrli die Situation.
Laut dem Leiter Kommunikation von Waldwirtschaft Schweiz sank der Kubikmeter-Erlös über alle Holz-Sortimente durchschnittlich um 8 bis 10 Franken. Besonders schwach nachgefragt sei seit längerem Buchenholz: Selbst für bestes Buchenstammholz werde derzeit kaum mehr bezahlt als für trockenes Buchenbrennholz.
Rundholz ist gefragt
«Rein von der Menge her läuft es gut. Aber wir exportieren wieder vermehrt Rundholz als vor der Schliessung von Domat/Ems», sagt Franz Weibel, Forstmeister der Burgergemeinde Bern. Sie ist mit einem jährlichen Volumen von durchschnittlich 30000 Kubikmetern nach dem Staatsforst der zweitgrösste Holzproduzent im Kanton Bern. Kunden seien vor allem Sägereien in Deutschland und Österreich. Er würde es begrüssen, wenn in Domat/Ems wieder ein grosses Sägewerk betrieben würde. Mit dem Export gehe der Schweiz auch Wertschöpfung verloren. «Zudem würde ein zusätzliches Sägewerk den inländischen Markt beleben.»
Währungsbedingt seien die Schnittwarenpreise in der Schweiz viel tiefer als im Ausland. Auch der Staatsforst – der jährliche Holzschlag beträgt 75000 bis 80000 Kubikmeter – lieferte Rundholz nach Domat/Ems. «Es waren vor allem minderwertige Sortimente», sagt Forstleiter Roger Schmidt. «Wir haben dafür aber andere Absatzkanäle gefunden, teilweise jedoch mit Preiseinbussen.» Ein Teil davon gehe beispielsweise an das Plattenwerk Kronospan in Menznau. Ins Ausland exportiere der Staatsforst seit einigen Jahren kein Holz mehr. «Ausnahmen sind einige grenznahe französischen Kunden, die Holz aus dem Berner Jura beziehen.»
Als Folge der Schliessung von Domat/Ems exportiere auch die Emmentaler Wald&Holz GmbH, die Vermarktungsorganisation der Waldbesitzer im Raum Sumiswald-Lauperswil-Huttwil-Langenthal/Aarwangen, wieder Nadelholz nach Österreich, sagt Geschäftsführer Beat Zaugg. Neben dem starken Franken nennt Zaugg auch die «deutlich schlechteren» Rahmenbedingungen der schweizerischen Holzindustrie als Problem.
«Die Transportkosten sind in der Schweiz fast doppelt so hoch wie im benachbarten Ausland», sagt Zaugg und verweist auf die LSVA. Im vergangenen Dezember lehnte der Bundesrat übrigens eine von Nationalrat Erich von Siebenthal (SVP) eingereichte Motion ab. Der Präsident des Verbandes Berner Waldbesitzer (BWB) will die Holzwirtschaft temporär von der LSVA befreien. Der Vorstoss kommt vermutlich in der Frühjahrssession in den Nationalrat.
«Wir müssen ja nicht holzen»
«Der Holzabsatz stockt», weiss Fritz Ruchti. Der SVP-Grossrat aus Seewil ist selber Waldbesitzer, präsidiert den Waldbesitzerverband Lyssbach, die Vermarktungsgesellschaft Frienisbergerholz und ist BWB-Vizepräsident. Für mindere Rundholzqualitäten sei der Preis mittlerweile um 15 bis 20 Prozent eingebrochen. «Wir müssen ja nicht holzen», sei von Waldbesitzern zu hören. Das sei aber auch keine Lösung.