Biel
Aktualisiert am 10.11.10, um 16:54 von Christian Bütikofer
 

Gymnasium-Rektor wirft modische Missionare raus

Lässt sich nicht für missionarische Zwecke einspannen: Leonhard Cadetg.
Quelle: azNetz
Das Bieler Seelandgymnasium verweigert sich einer Snowboard-Kleiderfirma mit Verbindungen zur Pfingstbewegung. Das Unternehmen spendet einem intransparenten Hilfswerk. von Christian Bütikofer
 

Der Co-Rektor Leonhard Cadetg des Bielers Seelandgymnasiums will die Kleiderfirma «Blessed» nicht als Sponsor einer Party der Fachschaft Wirtschaft und Recht.

Blessed-Gründer Simon Georg zeigte sich gegenüber «Blick» über den rektoralen Rausschmiss «geschockt». Denn er habe die Firma Blessed GmbH (auf Deutsch: Gesegnet GmbH) auf christlichen Werten wie «Ehrlichkeit» und «Fairness» aufgebaut.

Und darüber hinaus habe er bereits einen DJ, eine Hip-Hop-Tanzgruppe und T-Shirts für alle Schüler organisiert, meinte er gegenüber dem «Blick».

Cadetg besteht darauf, dass das Seelandgymnasium laizistisch sei, also der Trennung von Kirche und Staat verpflichtet ist.

Dabei wird er vom Bundesgericht gestützt: Es beurteilte wiederholt, öffentliche Schulen seien verpflichtet, religiöse Neutralität zu üben.

Im Umfeld der evangelikalen Kirchenbewegung

Der Gymi-Lehrer und FDP-Politiker dürfte eine gute Nase gehabt haben, warum er sich Blessed verweigerte: Die Firma steht nicht einfach nur für christliche Werte, sie gehört zum Umfeld der evangelikalen Pfingstbewegung, die an Heilung, Prophetie oder Zungenreden glaubt und stark durch ihre US-amerikanischen Glaubensbrüder geprägt ist.

Blessed spendet den so genannten «Zehnten», also zehn Prozent der Einnahmen, für Projekte der Jugendhilfe.

Die Nähe zur amerikanischen Szene zeigt sich etwa daran, dass einer der Geldempfänger das Hilfswerk «Metro Ministries» ist, dessen Hauptstützpunkt in New York liegt.

Hilfswerk steht auf Warnliste

Gegenüber der unabhängigen evangelikalen Spendenprüfer-Organisation «Transparency Watch» machte «Metro Ministries» keinerlei finanzielle Angaben.

Das Hilfswerk steht mit der schlechtesten Bewertung auf der Warnliste. Denn Metro Ministries verweigerte sich Transparency Watch total: Weder wurden Fragen beantwortet, noch Zahlen vorgelegt.

Der Chefpfarrer von Metro Ministries ist Bill Wilson, der an der Universität des Oberverbandes «Assemblies of God» der US-Pfingstgemeinden studierte. Immer mal wieder sorgen Exponenten der Assemblies of God für Aufsehen.

Etwa James Watts, der ehemalige Innenminister der USA zu Zeiten des US-Präsidenten Ronald Reagan.

Watts machte sich öffentlich Gedanken zum Umweltschutz: Warum sich um einen intakten Planeten für spätere Generationen kümmern, wenn Jesus doch jeden Moment in unsere Welt zurückkehrt und das christliche Paradies erneut anbricht?

Auf Werbetour mit dem ICF

Bill Wilson tingelte dieses Jahr durch die Schweiz und wurde von der umstrittenen neocharismatischen Jugendbewegung ICF tatkräftig unterstützt. Prominenter Werbepartner: Blessed GmbH.

Die Vermutung liegt nahe, dass durch die trendige Snowboard-Mode von Blessed nicht einfach nur Kleidung verkauft wird sondern Jugendliche vom christlichen Glauben überzeugt werden sollen.

Hinter der Marke steckt missionarisches Gedankengut

Der missionarische Eifer äussert sich bereits im Logo der Marke. So steht auf der Firmen-Website: «Das Logo der Firma ist schwarz-weiss gestaltet, weil sich jeder Mensch entscheiden muss: Es gibt nur ein Leben mit oder ein Leben ohne den dreieinigen Gott. Die Spiegelung der Buchstaben im Logo sowie des Namens Blessed soll zeigen, dass es immer die Möglichkeit zur Umkehr gibt.»

(azNetz)
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