Gabriel Vetter ist Autor und Hauptfigur der Web-Serie «Güsel. Die Abfalldetektive». Die Serie spielt in einer städtischen Kehrichtabfuhr im Kanton Schaffhausen – und ist die witzigste Comedy-Serie des SRF. Seit dieser Woche ist die neue Staffel online. 

(Quelle: SRF)

Güsel. Die Abfalldetektive

Herr Vetter, Güsel ist politisch

Gabriel Vetter: Äh… ja. Alles, was im Alltag spielt, ist politisch.

Sie sprechen jetzt vom Inhalt. Doch auch die Form ist politisch. Für die Gegner des neuen Radio- und TV-Gesetzes (RTVG) ist Ihre Web-Serie der Beweis dafür, wie sich die SRG im Internet ausbreitet.

Aus der Warte von Herrn Bigler (Anm. d. Red.: Gewerbeverbandspräsident Hans-Ulrich Bigler) ist «Güsel» SRG-Littering im Internet. Digital öffentlich-rechtliches Littering.

Nervt Sie das?

Gar nicht. Wir liessen uns davon nicht beeinflussen. Es gibt ja nebst «Güsel» auch noch andere Webserien. Die entstanden alle auf der Grundlage des geänderten RTVG, das es der SRG erlaubt, auch Serien zu produzieren, die primär im Web spielen. Dass wir jetzt bei dieser Abstimmung von allen Seiten als trojanisches Pferd gesattelt werden, nehmen wir zur Kenntnis, machen aber einfach unser Ding weiter.

Und das Ding läuft. Die Click-Zahlen sind gut, die Kritiker jubeln . . .

Bis jetzt, ja. Wenn so viele Leute etwas gut finden, dann kann etwas nicht stimmen. Das weckt die innere «Weltwoche». Verrisse tun ab und zu gut.

Wieso eigentlich eine Comedy-Serie über Abfall?

Unser Hauptantrieb war, ein Comedy-Format zu schaffen, das wir uns selbst auch anschauen würden. Es gibt in der Schweiz ein Vakuum für gute Comedy.

Weshalb gibt es bei SRF kaum gute Comedy?

Ich denke, es gibt generell relativ wenig gute Comedy in der Schweiz. Beim SRF wird es einfach offensichtlich, weil es der primäre Marktplatz für solche Formate ist.

Zurück zum Abfall: Wieso eine Serie über Güsel?

Das Thema Abfall lag auf der Hand, weil Kehricht ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Das klingt zwar nach einer Binsenwahrheit, aber es ist so. Ich habe selber mal bei der Kehricht-Abfuhr gearbeitet, ich weiss es. Aber es geht ja nicht nur um Güsel.

Worum denn noch?

Wir konzipierten die Sendung im Sommer 2013. Das war die Zeit der Snowden-Enthüllungen. Überwachung ist ein Thema in der Serie. Es ist lustig, wie Zuschauer es komisch finden, dass die Güsel-Detektive im Abfall anderer Leute rumstöbern. Dabei ist das im Vergleich zur Realität noch harmlos.

Die geringeren Produktionskosten für Web-Serien – knapp 100'000 Franken für neun Folgen bei der ersten Staffel – öffnen neue Chancen für den Nachwuchs, richtig?

Na ja, es ist zynisch, wenn man sagt: Gebt ihnen weniger Geld, dann wird es besser. Das ist beknackt. Aber Web-Serien sind eine Chance, weil das SRF dort bereit ist, zu experimentieren. Sonst ist es einfach schwer, in dieses riesige Ungetüm neue Erzählstrukturen reinzubringen, weil man dafür an etlichen Programmkommissionen vorbei muss. Es hat an so vielen Ecken und Enden zu stimmen, dass am Schluss nicht mehr viel von dem übrig bleibt, was man eigentlich sagen wollte.

Das Web als kreative Spielwiese?

Es ist ja schon auffällig, dass die zwei Comedy-Formate mit den besten Kritiken in der letzten Zeit Web-Serien sind. Matto Kämpfs «Experiment Schneuwly» und unser «Güsel». Beide Serien kommen aus der Spoken-Word-Szene und wurden in Eigenregie gemacht.

Würden Sie auch klassisches TV machen?

Ich sag selten zu etwas Nein. In einem Team wie jetzt bei «Güsel», wo ich mit Deborah Nieninger und Jan Sulzer zwei fantastische Theater- und Film-Profis an der Seite habe, würde ich das sofort machen.

Aber es gab noch kein Angebot?

Nein. Kurt Felix sagte: «Früher wollten die Menschen in den Himmel, heute wollen Sie ins Fernsehen.» Wir sind jetzt Internet, und das ist auch gut.