"Das ist schon beunruhigend", sagte der Direktor des Osloer Nobelinstitutes, Geir Lundestad, der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Liu Xiabao hatte im letzten Jahr gegen heftige Proteste der chinesischen Führung den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommen. Lundestad sagte, dass sich generell die Bedingungen für Oppositionelle in letzter Zeit deutlich verschlechtert hätten.

Auch mit der Ehefrau des zu elf Jahren Haft verurteilten Menschenrechtlers, Liu Xia, sei eine Kontaktaufnahme seit Ende Oktober nicht mehr möglich.

Sie konnte ihren Mann kurz nach Bekanntgabe der Osloer Auszeichnung einmal im Gefängnis besuchen, wird aber seitdem durch scharf überwachten Hausarrest von Kontakten nach aussen abgeschnitten. "Sie steht massiv unter Druck", sagte Lundestad.

Keine Informationen

Auch der Anwalt des inhaftierten Menschenrechtlers ist von seinem Mandanten vollständig abgeschnitten. "Ich habe keine Informationen über ihn", sagte Shang Baojun der dpa in Peking. Auch zur Familie von Ehefrau Liu Xia, die in Peking unter Hausarrest steht, könne er keinen Kontakt aufnehmen.

"Ich habe versucht, mit Liu Xias Bruder am Telefon zu sprechen, aber er sagte nur, ich solle ihn gegenwärtig nicht anrufen." Er könne nichts machen. "Wir fühlen uns so hilflos."

Bei der Nobelpreisverleihung am 10. Dezember blieb der Stuhl des Preisträgers leer, weil weder Liu Xiaobo noch seine Frau eine Ausreisegenehmigung bekamen. Die Dotierung von zehn Millionen schwedischen Kronen (1,6 Mio. Franken) behält das Nobelkomitee so lange ein, bis Liu Xiaobo oder seine Familie darüber verfügen können.