George Benson, Sie spielen exklusiv mit Orchester nur in Montreux. Wie kommen wir Schweizer zu dieser Ehre?

Benson: Das haben Sie dem Festivalchef Claude Nobs zu verdanken. Er ist ein langjähriger Freund und gab mir freie Hand. Und da hätte wohl keiner Nein gesagt...

Weshalb ist gerade Ihr Album «Breezin’», das schon 35 Jahre auf dem Buckel hat, für eine Orchestrierung mit 31 Streichern angesagt?

Zuerst einmal ist es mein erfolgreichstes Album, ich verkaufte weltweit mehr als 10 Millionen Kopien davon. Das zeigt mir, wie sehr die Fans dieses Werk lieben. «Breezin’» hatte aber auch den Zuspruch der Kritik, ich gewann dafür ja fünf Grammies. Ich habe insgesamt mehr als 60 Millionen Platten verkauft, aber nicht allein mit der Gitarre, sondern auch, weil ich singen kann. Und einige der Songs von «Breezin’» sind immer noch sehr populär in meinem Repertoire.

Sie meinen den Titelsong «Breezin’» oder «This Masquerade». Wirds also eine nostalgische Maskerade in Montreux werden?

Wir werden uns nicht in Klamotten der 70er-Jahre stürzen, aber wir wollen das Feeling des Albums und der damaligen Zeit wieder einfangen. Ich bin ja schon fast ewig im Musikgeschäft, und «Breezin’» war sowohl bei der Aufnahme wie auch als Endprodukt etwas Herausragendes in meinem Werk. Das waren vielleicht sogar die besten Momente meines Lebens. Die Songs sind im Rückblick gross und wichtig, aber wir wollen sie als etwas Leichtfüssiges rüberkommen lassen – genau so, wie ich es damals empfand. Wir wussten ja nicht, dass es mein Meilenstein werden würde. Wir spielten damals nach dem Motto: Let it breeze! Und das wollen wir in Montreux auch wieder.

Welche Erinnerungen haben Sie an damals?

Wir waren im Studio sehr locker drauf 1976, «Breezin’» und «This Masquerade» spielten wir quasi in einem einzigen Take live ein. So ging das damals im Jazz! Das ist im Geschäft heute doch sehr rar. Es bürgte für Authentizität. Diese einmalige Chance, meine Musik wieder ähnlich und doch ganz anders mit einem Orchester zu spielen, haben wir jetzt live in Montreux. Darauf freue ich mich sehr.

Mit Orchester auf Tour zu gehen, scheint ein neuer Trend zu sein: Sting macht das, George Michael, Peter Gabriel, Deep Purple – und jetzt Sie. Weshalb?

Erstens einmal ist es eine Prestigesache: Wer kann es sich schon leisten, mit einem Orchester zu touren? Doch nur grosse Künstler. Dann garantiert das Ganze eine Art Veredelung der Songs, man versucht, sie mit Klassik-Instrumenten auf ein höheres Niveau zu bringen. Das grosse Ensemble sorgt für grosse Gefühle, es verstärkt die Songs auf rhythmischer, melodiöser und auch textlicher Ebene – die Songs erhalten eine grössere Bedeutung.

Was haben Sie sonst mit klassischer Musik am Hut?

Ich mag Fritz Chrysler, den österreichischen Violinisten und Komponisten. Und ich fahre einen Chrysler... (lacht) Aber im Ernst: Ich war noch nie an einem Klassikkonzert oder in der Oper. Ich habe als Musiker immer noch ein gedrängtes Programm, und einzig wenn ich mit Orchestern übe, höre ich denen intensiv und gerne zu. Und da staune ich immer wieder, wie eine so grosse Gruppe Musiker zu einem Ganzen verschmilzt. Ich sollte wohl schon mal in die Oper, oder?

Unbedingt! Sie spielten schon lange zuvor mit Orchestern: demjenigen von Count Basie in den Jahren 1990/1991.

Das war ein Swing-Orchester mit vielen Bläsern – das war etwas komplett anderes, als das, was wir jetzt versuchen werden. Das entwickelte sich ganz natürlich, denn das Count Basie Orchestra war das beste damals, seine Musiker verstanden sich im Schlaf, und ich musste mir gar nie überlegen, was ich jetzt zu spielen hatte. Wir kamen richtiggehend in einen Flow, spielten wie im Rausch. Alles war luftig-leicht, das war angenehm. Ich war stolz, mit denen zu spielen, und mir wuchsen Flügel. Ich würde das jederzeit wieder tun, wenn ich könnte. Denn diese Tour war ein weiteres Highlight meines Lebens.

Damals war Basie der Chef, Sie Sänger und Leadgitarrist. Jetzt sind Sie der Boss!

O ja, und das liegt mir! Ich habe jetzt mehr Verantwortung. Aber mein Alter und meine Erfahrung werden das schon richten. Es sind meine Songs und ich weiss ja, was ich will.

Ist das auch Ihr Rezept für Ihren Erfolg als Familienmensch? Sie haben sieben Kinder und sind seit 46 Jahren glücklich verheiratet.

Ich liess meiner Frau immer genügend Raum, das ist uns sehr wichtig. Denn was soll meine Frau sein: doch meine Ergänzung! Und wenn ich sie zu fest einschränke, wird sie das nicht mehr sein. Das fängt schon bei der Kommunikation an: Wenn deine Frau spricht, musst du ihr zuhören. Du musst ihre Sprache lernen. Dasselbe in der Musik: Es braucht Jahre, bevor die Leute verstehen, was Musiker versuchen zu sagen. Auch wenn du in der Verantwortung stehst und die Entscheidungen triffst, wie ich etwa in meiner Musik, so hole ich mir gerne ihren Rat ein. Und dann kann ich viele kleine Details verbessern – dank ihr. Man ist als Familie ein Team. Wie als Band ja auch.

Montreux Jazz Festival vom 1. bis 16. Juli.George Benson with Orchestra am 4. Juli, Auditorium Stravinski. Tickets & Infos: www.montreuxjazz.com.