Ein Trämli fährt durch die Stadt. Es ist nicht grün, sondern gelb-blau, und es fährt nicht durch Basel, sondern durch Hongkong. Dieses Trämli trägt dieser Tage den Namen Basel in die asiatische Metropole, die fast so viele Einwohner hat wie die ganze Schweiz.

«Art Basel Hong Kong» prangt auf den Werbe-Trämli. Die grösste Kunstmesse Asiens, ein Ableger der noch grösseren Art Basel, eröffnet heute zum fünften Mal. Und bereits ist ihr Einfluss in der ganzen Stadt spürbar: Galerien und Urban Art boomen. Fachleute sprechen vom Miami-Effekt; der einiges ältere Art-Basel-Ableger im amerikanischen Florida hat dort die Kunstszene insgesamt zum Aufblühen gebracht. In Hongkong scheint sich derselbe Effekt einzustellen, aber schneller.

Millionäre im Dichtestress

Unser Fotograf Martin Töngi hat sich bereits vor der Eröffnung in der Stadt umgesehen. Etwas schwindlig sei ihm geworden ob des Anblicks all der Bentley-, Tesla-, Rolex-Läden. Nicht einmal, immer wieder tauchten Filialen solcher Luxusläden auf. Hongkongs Causeway Bay gilt als teuerste Einkaufsstrasse der Welt – sie hat die New Yorker Fifth Avenue vor einigen Jahren überholt, was die Mietpreise angeht.

Hongkong hat eine Rekordzahl an Superreichen aufzuweisen, Tausende von Millionären leben hier. Man hats. Und irgendwann hat man alles: Limousine, Villa, Diamanten. Die Nachbarn habens auch. Wie hebt man sich da als Superreicher unter Superreichen noch von den anderen ab? Mit Kunst. «Ein Kunstwerk ist ein individueller Luxus, etwas, das man allein hat und dessen Einzigartigkeit auch den Besitzer hervorhebt.» Das ist Martin Töngi in Gesprächen mit Hongkongerinnen und Hongkongern klar geworden.

So viel Kaufkraft bringt Schwung in die «Art Basel Hong Kong». 242 Galerien aus 34 Ländern stellen heuer aus – darunter 29 zum ersten Mal. Rund die Hälfte der Aussteller ist aus Asien – darauf legt die Art Wert. Nicht nur die meiste, auch «die beste Kunst Asiens» soll ihre Messe zeigen. Und die grösste: Im Sektor «Encounters» werden 17 übergrosse Installationen präsentiert.

Ein zukunftsgerichteter Fokus liegt auf der Virtual-Reality-Kunst. Künstler werden im Projekt «Tilt Brush» in Zusammenarbeit mit Google dreidimensional virtuelle Räume bemalen. Und Trams werden, ausgerüstet mit Kameras, zu fahrenden Zeitkapseln. Zwischen diesen futuristischen Kunstwerk-Trams rattern gemächlich die Oldtimer-Trämli mit der Art Basel-Reklame. Sie sind doppelstöckig. Darunter macht mans hier nicht.

Preview ist am 21., Vernissage am 22., die öffentliche Messe findet vom 23. bis 25. März statt.
www.artbasel.com/hongkong
www.hkcec.com