Auf den Aargauer Strassen sind heute mehr als 57'000 Lenker unterwegs, die über 70 Jahre alt sind. Einer von ihnen ist SVP-Nationalrat Maximilian Reimann. Der 74-Jährige setzt sich politisch für die Senioren am Steuer ein. Er fordert, dass sie erst mit 75 zum ersten Mal zum Arzt müssen, um ihre Fahrfähigkeit überprüfen zu lassen. Heute müssen sie schon mit 70 den ersten Test absolvieren. Reimann setzt auf Eigenverantwortung und argumentiert, in Nachbarländern ohne Fahreignungsprüfung gebe es in dieser Altersgruppe nicht mehr Unfälle.

Dies mag zutreffen, dennoch hätte die Gesetzesänderung im Aargau negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Laut dem Regierungsrat geben pro Jahr rund 1600 Lenker zwischen 70 und 75 Jahren den Fahrausweis ab. Nicht alle tun dies freiwillig: Etwa einem Drittel der betroffenen Senioren in dieser Altersgruppe musste der Führerausweis entzogen werden. Würde die Alterslimite angehoben, wären auf den Aargauer Strassen mehr als 500 Lenker unterwegs, die aus medizinischen Gründen nicht mehr fahrfähig sind.

Dies kann nicht im Interesse der Öffentlichkeit sein – und nicht im Sinn von Reimann und anderen Senioren, die Auto fahren. Die ärztliche Untersuchung und eine allfällige Testfahrt mögen unangenehm sein, sorgen aber für Sicherheit. Es geht nicht darum, alle Senioren als Risikofahrer einzustufen. Aber die Statistik zeigt, dass es Lenker gibt, die ihre eigenen Fähigkeiten falsch einschätzen. Für fahrtüchtige Senioren ist die Untersuchung eine Bestätigung ihrer Einschätzung, alle anderen müssen aus dem Verkehr gezogen werden.

Umfrage

60.4%

Ja, das reicht völlig

39.6%

Nein, die heutige Regelung ab 70 ist sinnvoller