Was aus der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zu hören ist, ist in doppeltem Sinn beunruhigend. Erstens, weil die Zahl der Strafverfahren im letzten Jahr weiter zugenommen hat. Auf den neuen Rekordwert von 11049 Fällen.
Zweitens, weil offensichtlich zu grosser Formalismus die Arbeit der Staatsanwälte unnötigerweise erschwert. Formalismus – ausgelöst durch ein angeblich modernes Gesetz. Was der Stellvertretende Leitende Staatsanwalt Urs Hoppler sagt, ist so etwas wie ein Hilferuf. Er klagt über zu viel Leerlauf. Über personellen und finanziellen Aufwand ohne entsprechenden Nutzen. Über ein Gesetz, entwickelt fernab jeglicher Realität.
Solche Aussagen sollten den Politikern, den Erschaffern der neuen Strafprozessordnung, zu denken geben. Es müsste ein Umdenken einsetzen. Nicht zuletzt, weil wir uns ein allzu kompliziertes Strafgesetz nicht leisten können. Weil davon letztlich die Kriminellen profitieren. Weil die Kosten von den Steuerzahlern berappt werden müssen. Weil viele Staatsanwälte und Richter unnötig überfordert werden.
Die Beschuldigten haben ein festgeschriebenes Anrecht auf vom Staat bezahlte Anwälte. Die Justizbeamten haben dagegen keinen Anspruch auf Kollegen, die ihnen bei der Bewältigung der Mehrarbeit helfen. Im Gegenteil. Die Politik neigt dazu, auch in diesem Bereich zu sparen.
Doch wären zusätzliche Stellen wirklich die beste Lösung des Problems? Mittelfristig müsste die Effizienz des Justizsystems gesteigert werden. Und das geht nur, wenn mit Gesetzesänderungen die Bürokratie abgebaut wird.