Vor wenigen Jahren begutachtete ein Feuerungskontrolleur mit kritischem Auge unseren Schwedenofen oder vielmehr das Brennholz daneben. Eine Messung ergab, dass einzelne Buchenstücke aus dem heimischen Wald doch einen umweltbedrohlich hohen Feuchtigkeitsgehalt aufweisen würden. Und: Das zum Verfeuern bereit gelegte alte Stuhlbein sei ein absolutes No-Go.

Es war am 30. Dezember in der Stadt Baden. Ein Bekannter eilte über den Schlossbergplatz zum Container, wo Feuerwerk verkauft wurde. Er rief mir zu, dass er noch tüchtig aufmunitionieren müsse. Ich hätte ihm gerne etwas mitgegeben – nicht Feuerwerk, dafür ein paar Gedanken. Mir kam der Feuerungskontrolleur in den Sinn und die Vorstellung, dass ich mich mit dem Verbrennen des Stuhlbeins strafbar gemacht hätte, wogegen in der Silvesternacht und am 1. August jedermann nach Belieben giftige Metalle, Schwefelwasserstoffe und -dioxide, Polychloriertes und anderes Gift in die Lüfte böllern darf, und das ungestraft bereits Tage zuvor.

Da frage ich mich ernsthaft: Wie weit hat Böllern etwas mit Intelligenz zu tun? Die Immissionen in der Luft seien vernachlässigbar, schrieb vor der Abstimmung zur Feuerwerksinitiative das Gegenkomitee. Da drängt sich erneut die Frage nach der Intelligenz oder diese auf: Wo landen denn die Schadstoffe, die runterfallen? Lediglich zwei Prozent der gesamten Feinstaubmenge der Schweiz wird durch die 2500 Tonnen (doppelt so viel wie vor 10 Jahren) Feuerwerk produziert. Doch was sind schon zwei Prozent – angesichts dessen, dass Katar mit über 40 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr fast zehn Mal mehr Treibhausgase in die Luft bläst, mag es in derjenigen über der Schweiz noch etwas mehr Methan leiden.

Ein Bestandteil der Intelligenz ist übrigens die Empathie. Sie muss grundsätzlich all jenen abgesprochen werden, die sich wie kleine Kinder freuen – wobei jene zwar eher darob erschrecken –, wenn ihre Böller lautstark detonieren. Es muss ein befreiendes Gefühl sein, drauflos zu böllern, ohne einen Gedanken an die Tiere (und Menschen) zu verlieren, die unter der sinnlosen Knallerei leiden. – Ein Böllerer schrieb mir einst: Ich solle in die Wüste gehen. Wäre er intelligent und empathisch genug, würde er dorthin gehen – und zwar nach Katar, wo die Treibhausgaswerte ohnehin schon am höchsten sind.