Wer mit 215 km/h über die Autobahn rast, handelt verantwortungslos und gefährdet andere Verkehrsteilnehmer. Daher ist die bedingte Haftstrafe von 16 Monaten für den Deutschen, der auf der A1 bei Spreitenbach geblitzt wurde, absolut gerechtfertigt. Der 59-Jährige kannte als ehemaliger Carchauffeur die Strecke – die Ausrede, er habe nicht gewusst, dass es in der Schweiz Tempolimiten auf der Autobahn gibt, ist unglaubwürdig.

Dass der Raser seinen Mercedes zurückbekommt, zeigt das Dilemma, in dem sich das Gericht befand. Die günstige Prognose, dass eine weitere Raserfahrt des Deutschen in der Schweiz unwahrscheinlich sei, ist zwar nachvollziehbar. Immerhin drohen ihm 16 Monate Haft, sollte er nochmals bei einem Tempoexzess erwischt werden. Zudem hat er keinen gültigen Führerausweis – für das Gericht ein weiterer Faktor, der ihn von künftigen Raserfahrten abhalten dürfte.

Es gibt aber auch die andere Sicht: Der Mann hatte schon zur Zeit des Delikts keinen gültigen Führerausweis. Dies hinderte ihn nicht daran, über die A1 zu rasen. Auch das Argument der prekären finanziellen Situation ist zweischneidig. Es ist möglich, dass der Deutsche das Auto nun verkauft, um Geld zu machen – aber auch, dass er trotz Verbot damit fährt. Bei einem Einzug des Mercedes wäre diese Gefahr wohl gebannt gewesen. Der Mann hätte kaum genug Geld gehabt, um ein Auto zu kaufen.