An dem Protestmarsch beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter rund 100 000 Bürger, die Polizei sprach von rund 50'000 Teilnehmern. Rund 1000 Polizisten waren im Einsatz
Ungeachtet der Proteste wurden am Samstag die Bauarbeiten fortgesetzt. Laut Polizei blieb dabei alles ruhig. Lediglich 30 bis 50 Demonstranten und Schaulustige hätten sich im Schlossgarten versammelt.
Dort waren am Donnerstag nach unterschiedlichen Angaben zwischen 130 und 400 Menschen verletzt worden, als die Polizei bis zu 5000 Demonstranten mit Wasserwerfern und Pfeffersprays zurückgedrängte, um die Fällung der ersten Bäume in dem Park zu ermöglichen.
Angst vor Radikalisierung
Deutsche Verfassungsschützer äusserten unterdessen Befürchtungen, wonach sich die Situation in Stuttgart radikalisieren könnte. Laut dem baden-württembergischen Verfassungsschutz waren in den vergangenen Tagen in Stuttgart nicht nur friedfertige Bürger auf der Strasse. Auch Parteien aus dem linksextremen Spektrum hätten sich an den Protesten gegen "Stuttgart 21" beteiligt.
So seien "linksextremistische Organisationen wie die Jugendorganisation der Linkspartei 'Linksjugend Solid' und die trotzkistisch ausgerichtete Sozialistischen Alternative (SAV) an der Jugendoffensive" beteiligt gewesen, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes des Bundeslandes, Beate Stube, dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut Vorabmeldung vom Samstag.
Diese Gruppe habe die Schülerdemonstration angemeldet, nach der es am Donnerstag zu heftigen Zusammenstössen zwischen Polizei und Gegnern des Projektes gekommen war.
Schwarzer Block noch nicht «eingesickert»
Laut Bube versuchen bereits seit längerem Parteien aus dem linksextremistischen Spektrum, die Proteste in Stuttgart zu "instrumentalisieren". Sie wollten eine latente "Unzufriedenheit in der Bevölkerung" aufnehmen und diese mit der Kritik am politischen System verbinden.