Wie viele der 11'000 französischen Zugbegleiter insgesamt im Ausstand waren, konnte die SNCF am Freitag nicht beziffern. Nach ihren Angaben fielen vor allem im Osten des Landes im Schnitt drei von vier Regionalzügen und zwei von drei TGV-Hochgeschwindigkeitszügen aus.
Erst am Nachmittag begann sich die Situation langsam zu bessern. Nach Plan würden die Züge eventuell erst am Samstagmorgen wieder fahren, teilte SNCF-Chef Guillaume Pepy mit.
Pepy appellierte an alle Bediensteten, die Streiks zu beenden. Die Fahrgäste dürften nicht bestraft werden, weil ein "Geistesgestörter eine verrückte Tat begangen hat". Auch Verkehrsminister Thierry Mariani sagte, die Arbeitsniederlegungen seien keine "angemessene Antwort".
Zugbegleiter notoperiert
Zu dem Angriff auf den Zugbegleiter war es am Donnerstag auf der Strecke von Lyon nach Strassburg gekommen. Der 54-Jährige wurde von einem offensichtlich geistesgestörten Fahrgast mit acht Messerstichen lebensgefährlich verletzt, als er diesen wegen Schwarzfahrens verwarnen wollte.
Der 54-Jährige erlitt schwere Verletzungen im Bauch und am Kopf und musste notoperiert werden. Sein Zustand wurde als "ernst, aber stabil" beschrieben.
Der 27-jährige Täter konnte festgenommen werden. Er gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft an, Alkoholprobleme zu haben und sich an nichts erinnern zu können.
Steigende Gewalt
Gewerkschaftsvertreter hatten bereits kurz nach der Tat dazu aufgerufen, aus Solidarität mit dem niedergestochenen Fahrkartenkontrolleur die Arbeit niederzulegen. Offiziell machten sie von ihrem Recht Gebrauch, bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit nicht weiterzuarbeiten.
Gleichzeitig wollen sie mit der Aktion gegen die ihrer Ansicht nach steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter protestieren. Ein Gewerkschaftssprecher kündigte an, ab kommender Woche solle eine Arbeitsgruppe über eine Verbesserung der Sicherheit in den Zügen beraten.
Auch Auswirkungen auf die Schweiz
Die Fahrgäste wurden wegen der Streiks gebeten, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen oder ihre Reise zu verschieben. Auch in der Schweiz müsse mit Verspätungen gerechnet werden, sagte SBB-Sprecherin Patricia Claivaz auf Anfrage.