Mit dieser Spitze im Klassement hatte man nicht rechnen dürfen. Rolland und Nadia Fanchini hatten nicht zum engsten Favoritenkreis gezählt. Beide feierten ihren grössten Erfolg der Karriere.

Rolland stieg erstmals bei einem Grossanlass aufs Podest. Die 30-Jährige hat jedoch unterstrichen, dass sie eine Schladming-Spezialistin ist. Im letzten März erreichte sie dort ihre zwei bisher einzigen Top-3-Rangierungen im Weltcup; als Zweite in der Abfahrt und Dritte im Super-G. Sie ist nun auch entschädigt worden für ihr Verletzungspech in der Olympia-Abfahrt von Vancouver; damals schied sie schon nach wenigen Sekunden aus und zog sich einen Kreuzbandriss zu.

Die Leistung von Nadia Fanchini kommt deshalb unerwartet, weil sie in den letzten drei Jahren unter den Nachwehen einer schweren Knieverletzung gelitten hat. Ihr bisheriges Highlight war die WM-Bronzemedaille von 2009 in der Abfahrt von Val d'Isere gewesen, damals landete sie hinter Lindsey Vonn und Lara Gut. Ihr letztes Ausrufezeichen hatte Fanchini im Januar 2010 mit ihrem neunten Weltcup-Podestplatz in Haus im Ennstal gesetzt. Seither ist sie auf höchster Stufe nicht mehr in die Top 3 gefahren.

Bitter ist der Rennausgang für Nadja Kamer. Die Schwyzerin wurde von der Dritten Maria Höfl-Riesch, die somit nach Gold in der Super-Kombination nachgedoppelt hat, um lediglich vier Hundertstelsekunden geschlagen.

Zu den Verliererinnen gehörten nicht nur Lara Gut und Marianne-Kaufmann-Abderhalden, sondern auch Tina Maze sowie alle Österreicherinnen. Aus Schweizer Sicht hatte die Abfahrt sehr schlecht begonnen. Dominique Gisin stürzte, wurde in die Fangnetze geschleudert und prallte heftig auf der harten Piste auf. Wahrscheinlich ist sie glimpflich davongekommen, konnte sie doch auf Ski den Weg ins Ziel bewältigen. Sie muss aber noch medizinische Abklärungen treffen. (Si)

Schladming (Ö). WM-Abfahrt der Frauen. Schlussklassement: 1. Marion Rolland (Fr) 1:50,00. 2. Nadia Fanchini (It) 0,16 zurück. 3. Maria Höfl-Riesch (De) 0,70. 4. Nadja Kamer (Sz) 0,74. 5. Julia Mancuso (USA) 0,85. 6. Stacey Cook (USA) 0,91. 7. Tina Maze (Sln) 1,21. 8. Andrea Fischbacher (Ö) 1,23. 9. Elena Fanchini (It) 1,45. 10. Elisabeth Görgl (Ö) 1,48. 11. Anna Fenninger (Ö) 1,55. 13. Tina Weirather (Lie) 1,71. 16. Lara Gut (Sz) 1,96. 20. Marianne Kaufmann-Abderhalden (Sz) 2,32. - Ausgeschieden u.a.: Dominique Gisin (Sz).

 

Sie können das Renngeschehen im Liveticker nachlesen:

Morgen findet in Schladming die Super-Kombi der Herren statt. Gute Besserung an Dominique Gisin!

Pech also für die Schweizer Damen heute. Aber mit der überglücklichen Siegerin Marion Rolland und der zweitplatzierten Nadia Fanchini gab es heute zwei grosse Überraschungen und schöne Geschichten.

Höfl-Riesch ist 4 Hundertstel schneller als Kamer und holt Bronze: «Manchmal hat man einfach das Glück, mal das Pech. Nadja Kamer wird das Glück sicher auch bald wieder auf ihrer Seite haben. Es war heute ein bisschen ein Favoritensterben, umso glücklicher bin ich jetzt über meine zweite Medaille.»

Die Top Ten lautet: 1. Marion Rolland 2. Nadia Fanchini 3. Maria Höfl-Riesch 4. Nadja Kamer 5. Julia Mancuso 6. Stacey Cook 7. Tina Maze 8. Andrea Fischbacher 9. Elena Fanchini 10. Elisabeth Goergl, Lara Gut ist momentan 16., Marianne Kaufmann-Abderhalden 20. - Dominique Gisin ist gestürzt und ausgeschieden. 

Damit steht die überraschende Abfahrtsweltmeisterin fest. Marion Rolland hat alles riskiert und Gold gewonnen. Kamer holt für die Schweizer einen super - aber bitteren - vierten Platz. Und das wegen vier Hundertsteln.

Aber die Sonne ist oben weg. Marianne Kaufmann-Abderhalden liegt schon früh weit zurück. 20. Rang für sie - es gibt heute definitiv keine Schweizer Medaille.

Edit Miklos und Alexandra Coletti sind chancenlos. Aber jetzt, die letzte Schweizer Hoffnung Marianne Kaufmann-Abderhalden. Wahrscheinlich die Letzte, die an der Spitze noch was ausrichten kann.

Vielleicht die Spanierin Carolina Ruiz Castillo, die gute Trainings gezeigt hat. Aber sie ist keine Gefahr für die Führenden, Platz 15.

Auch für die Norwegerin Lotte Sejersted und die Tschechin Klara Krizova gibts keine Spitzenplatzierungen.

Elena Fanchini, die Schwester von Nadia Fanchini, reicht es nur für Platz 9. Wird noch jemand ganz nach vorne reinfahren? Unmöglich ist es nicht. Die Führenden Rolland und Fanchini hat man so auch nicht erwartet. Aber es wird sehr schwierig.

Mehrmalige Trainingsschnellste und letzte Hoffnung der Österreicher Regina Sterz ist unterwegs. Da will sie aber wohl zu viel. Über 2 Sekunden Rückstand. Es gibt wieder keine Medaille für Österreich.

Nadja Kamer: «Als Höfl-Riesch im Ziel vier Hundertstel schneller war, dachte ich mir schon: Das könnten die vier Hundertstel sein, die mich vom Podest stossen.»

Rolland freut sich im Ziel lautstark - das war eine beeindruckende Leistung. Als Schweizer hält sich die Freude aber in Grenzen, Kamer fällt damit auf den 4. Rang zurück.

Marion Rolland ist mit Nummer 22 die letzte Fahrerin der Spitzengruppe. Sie verliert als Erste nach der 2. Zwischenzeit nur eine Hundertstelsekunde auf Fanchini. Bestzeit! 16 Hundertstel Vorsprung und die Führung für die Französin!

Weiter gehts mit Tina Weirather, die Liechtensteinerin bleibt chancenlos, nur Platz 11.

Und jetzt Schladmings bisherige Dominatorin Tina Maze. Sie fährt nicht so viel Zeit heraus im oberen Streckenteil, ihr Rückstand wird zu gross. Sechster Rang für Maze, im Ziel liegt sie 1,09 Sekunden zurück. Kamer klammert sich noch an Platz 3.

Stacey Cook legt einen super Start hin. Ihre Reserven schumpfen aber, sie verliert ihre gute Platzierung auf dem allerletzten Streckenteil - Platz 6!

Die Italienerin steht ohne Hilfe auf und fährt runter. Nächste ist Stacey Cook, die gestern das Training dominierte - was aber nicht viel Aussagekraft haben muss.

Fanchinis Landsfrau Daniele Merighetti ergeht es noch schlechter - sie stürzt. Sie schlittert mit hohem Tempo in Kurve, rutscht aus und auch sie landet im Netz.

Julia Mancuso gehört auch zu den Favoritinnen. Kann die Amerikanerin Fanchini vom Führerthron stossen? Tempo ist gut, es reicht für Platz 4. 11 Hundertstel hinter Nadja Kamer.

Maria Höfl-Riesch, die Kombinationssiegerin von Freitag, ist unterwegs. Sie fährt auf Platz 2, vier Hundertstel schneller als Kamer.

Scheinbar hat sich Dominique Gisin an der Hand verletzt, sie ist für Untersuchungen ins Spital gefahren.

Für welchen Platz wird Kamers Zeit reichen? Fanchini führt im Moment vor Kamer, es folgt ein österreichisches Trio.

Nadja Kamer stellt unfassbare Zeiten auf oben - eine Sekunde Vorsprung! Sie verliert dann 7 Zehntel, liegt aber noch vorne. Ihr Vorsprung schrumpft. 0,58 Sekunden zurück, Es reicht nur für Platz 2.

Marie Marchand-Arvier verliert wie ihre Vorgängerinnen aber einer Minute Fahrzeit auf Fanchini. Rang 6 für die Französin. Die nächste Schweizerin wartet oben.

Elisabeth Goergl mit Fabelzeiten oben, aber dann das gewohnte Bild, sie fällt zurück. Im Ziel ist sie 1,32 Sekunden zurück - im Moment Platz 3.

Fanchinis Zeit erweist sich immer mehr als Knacknuss. Alice McKennis hat bei der zweiten Zwischenzeit 0,5 Sekunden Vorsprung, bei der nächsten schon 0,6 Sekunden Rückstand! Auch sie schaffts nur auf Platz 6.

Und jetzt, hopp Lara Gut! Ihr gelingt ein Blitzstart, verliert aber wie Fenninger sehr viel Zeit ab dem Mittelteil. Sie fährt auf Platz 5 und hat 1,89 Sekunden Rückstand. Keine Medaille für Lara Gut heute.

Anna Fenninger hatte bis jetzt keine glückliche WM. Sie verliert nach super Start immer mehr Zeit. Auch sie kann Fanchini nicht verdrängen, 1,39 Sekunden liegt sie im Ziel zurück. Wirds eine weitere Enttäuschung für die Österreicher?

Autsch, da ist sie mit voller Wucht mit dem Gesicht voran in die Abschrankung geprallt. 9 Fahrerinnen sind gestartet, 3 gestürzt. Fenninger kommt als Nächste, dann Gut.

Guter Start von Gisin! Sie nimmt viel Risiko, fährt ganz tief - und STURZ! Ganz bitter für die Schweizerin, aber sie bleibt zumindest von schwereren Verletzungen verschont.

Weiter gehts mit Leanne Smith. Sie fährt gute Zwischenzeiten oben, aber auch sie hat nach der Traverse 77 Hundertstel Rückstand und fällt zurück. Es folgt die erste Schweizerin, Dominique Gisin!

Im oberen Streckenteil ist Ilka Stuhec dabei, fällt dann aber zurück. 2 Sekunden Rückstand.

Goggia ist unterwegs. Was packt sie heute aus? Innenskifehler, sie kann gerade noch einen Sturz verhindern. Die gute Zeit ist aber natürlich weg, 2,69 Sekunden Rückstand und Platz 3.

Andrea Fischbacher zu ihrer Fahrt: «Es ist schwieirg zu fahren, die Piste ist sehr eisig und unruhig. Man kann sich keine Fehler erlauben.»

Mit Nummer sechs wird die junge Italienerin Sofia Goggia starten, die im Super-G noch sensationell Vierte wurde.

Nach einer Bodenwelle gerät sie in Vorlage und verhakt sich noch mit dem Stock. Sie steht aber wieder, es folgt ein kurzer Rennunterbruch.

Die Deutsche Veronique Hronek ist unterwegs - und stürzt! Ihr Stock gerät noch zwischen die Beine, sie fliegt Ski voran in die Netze.

Die Sicherheit ist wieder gewährleistet, die nächste Österreicherin ist am Start. Andrea Fischbacher ist oben an Fanchini dran. Es fehlt ein wenig Tempo, am Schluss sind es 1,07 Sekunden Rückstand.

Es folgt eine kurze Pause, das Auffangnetz bzw. die Gleitplane muss geflickt werden.

Das Netz bremst sie ab. Sie steht wieder und scheint keine ernsthaften Verletzungen zu haben.

Können die Österreicherinnen die Enttäuschung der Herrenabfahrt von gestern wieder gut machen? Stefanie Moser versucht es als Erste. Auf halber Strecke fliegt ihr in der Kurve der Ski weg und sie stürzt.

Als Nächste startet Nadia Fanchini. Sie pulverisiert Brodniks vorgelegte Zeit mit höchsten Geschwindigkeiten. Ganze 3,21 Sekunden Vorsprung und natürlich die Führung!

Das Rennen eröffnet die Slowenin Vanja Brodnik. Eine kontrollierte Fahrt von Start bis Ziel. Unten leuchtet die Zeit auf: 1:53.37.

Bald geht es los mit der Abfahrt der Damen. Es herrschen perfekte Wetterbedingungen. Die Schweizerinnen starten mit den Nummern 9 (Gisin), 11 (Gut), 15 (Kamer) und 30 (Kaufmann-Abderhalden).

Das Rennen beginnt um 11.00 Uhr.

Es tickert für Sie Melanie Su.