Nicht nur Insidern der gelebten Geschichte ist der ehemalige Lehrer und Verfasser der grossen Birmenstorfer Dorfchronik Max Rudolf ein Begriff. Seine akribisch gesammelten Daten und Fakten zu allen Aspekten der Entwicklung des Dorfes und seiner Umgebung seit der Urzeit bilden jeweils die Grundlage für höchst interessante Abendspaziergänge und Vorträge.

Am 9. Augst versammelten sich so erneut zahlreiche Interessenten an der Abzweigung zur bekannten Lindmüli. Aus berufenem Mund erfuhren sie hier nicht nur geologisch Interessantes über die Frühgeschichte des Reusstales mit den damals entstandenen „Gemüseebenen“ und anderes mehr über die lebenswichtige Wassergeschichte. Es liess sich auch nachweisen, dass sich hier schon steinzeitliche Siedlungen befanden - und dass es selbst den Römern zumindest im 3. Jahrhundert gefallen haben musste. Jedenfalls legten sie schon damals ihr Geld ‚in der Schweiz‘ an, wie Belege über zwei grössere Schatzfunde im Mittelalter mit je weit über 1000 Münzen aus jener Zeit dokumentieren. Zum abenteuerlichen Teil gehörten auch Geschichten über ein Wesen, das mit seinen Erscheinungen selbst in die Aargauer Sagenwelt Eingang fand.  Vieles erfuhren die Zaungäste auch über „majestätisch“ sprudelnde Quellen, Wasserrechte der Brunnenmüller, Veränderungen der Topographie u.a. durch den Tuffsteinabbau, Ereignisse um und auf der Reuss, den Besuch des Generals Guisan im 2. Weltkrieg - dank der strategischen Bedeutung u.a. der Reussübergänge - und natürlich über die Besitzverhältnisse zu Zeiten der Königsfelder Obrigkeiten.

Letztlich aber kam an diesem Abendspaziergang zum Abschluss die Geschichte der Lindmühle zum Zug, deren Ursprünge ins 13. Jahrhundert zurückreichen und um deren Entwicklung sich auch viele Geschichten und Legenden ranken. Seit 176 Jahren jedoch ist die Mühle nun bereits in Besitz der Familie Lehmann, und in den letzten 30 Jahren hat sich unter der heutigen Leitung jener stattliche Betrieb entwickelt, der heute als siebtgrösste Mühle der Schweiz - mit ausschliesslich Bio-Qualität - einen ausgezeichneten Ruf geniesst.

Zu später Stunde nahm dieser geschichten- und geschichtsträchtige Abend beim ebenfalls bereits legendären Speckzopf und Birmenstorfer Wein seinen Vergnügten Ausklang. EB