Die anderen Reden gehen stellenweise im Stimmengewirr der 550 Gäste der Basler Gewerbetagung unter. Als Gewerbedirektor Peter Malama ans Mikrofon tritt, verstummt die Gästeschar sofort. Es ist sein erster grosser öffentlicher Auftritt seit langem.

Im Mai teilte der Gewerbeverband mit, dass Malama wegen einer stationären Nachbehandlung seiner Krebserkrankung in nächster Zeit keine öffentlichen Termine mehr wahrnehme. Seither hat sich der sonst dauernd in den Medien präsente FDP-Nationalrat nicht mehr in die politische Debatte eingemischt – und dies mitten im Basler Wahlkampf.

Unterstützung von allen Seiten

Viele Leute machten sich deshalb Sorgen um den Basler Gewerbedirektor, der plötzlich nicht mehr so quirlig war, wie man ihn bisher gekannt hat. Sein Gesundheitszustand wurde zum Stadtgespräch.

Aus seinem Karzinom im Bauchbereich hat Malama von Anfang an kein Geheimnis gemacht: In einem grossen Zeitungsinterview hat er über seine Krankheit informiert.

An der traditionellen Gewerbetagung hat der 51-Jährige in einer ergreifenden Rede erneut über sein privates Schicksal berichtet. «Ich habe meinen persönlichen Kampf gegen die Krankheit aufgenommen», erzählt er. Die Familie, der Verband und sein Umfeld würden ihm viel Kraft verleihen. Dafür sei er sehr dankbar.

Eine schmerzhafte Erfahrung

Für Malama bedeutet die Krankheit eine riesige Umstellung: «Eigentlich überlasse ich ungern etwas dem Zufall. Ich plane gerne alles im Detail.» Das ist heute nicht mehr möglich. Die Herausforderungen in seinem Leben seien nicht mehr planbar. «Das ist für mich eine schmerzhafte Erfahrung», berichtet Malama vor den versammelten Basler Gewerbevertretern. Sichtlich ergriffen folgt das Publikum seinen Worten.

«Doch ich lasse mich nicht unterkriegen», ruft er in den Autobahntunnel der sich im Bau befindlichen Zollfreistrasse in Riehen, wo der Gewerbeverband das Festbankett veranstaltet. «Ich sehe Licht am Ende des Tunnels», umschreibt Malama seine Zuversicht. Obwohl er sichtlich geschwächt ist, will der Gewerbedirektor und Nationalrat seine Ämter fortführen. Die 550 geladenen Gäste bestärken ihn darin mit stehendem Applaus.

Erschöpft, aber politisch kämpferisch

Nach der Rede gibt Malama Interviews – wegen der Erschöpfung sitzend. Im Gespräch mit dem regionalen TV-Sender stockt der sonst mediengewandte Rhetoriker mehrmals und bittet um eine neue Aufzeichnung. Das bz-Interview bricht er nach der dritten Frage ab. Das werde nun zu lang, meint er. Zuvor stellte er fest: «Man kann nicht beeinflussen, in welcher Art und Weise die Natur morgen zuschlägt.»

Erstmals seit der Lancierung äussert er sich zudem zur Fusionsinitiative. Der Gewerbeverband kommentierte diese in seiner Abwesenheit sehr zurückhaltend und skeptisch. Offensiver gibt sich nun der Verbandschef: «Ich bin klar der Überzeugung, dass nur ein Zusammengehen die beiden Kantone weiterbringt.» Körperlich schwächt die Krankheit Malama, den politischen Kampfgeist kann sie ihm aber nicht nehmen.