Das beste politische Lobbying in der Region betreiben nicht die Pharma-Multis oder die Banken, sondern der Zolli. Diesen Eindruck konnte man zumindest erhalten, wenn man am Mittwoch die Budgetdebatte im Grossen Rat Basel-Stadt verfolgte. Und auch der Baselbieter Landrat bewies am Donnerstag, dass beim Zolli zu sparen - wie es die Regierungen beider Basel vor hatten - in der Region nicht mehrheitsfähig ist.

450 000 in BS, 85 000 in BL

Die beiden Anliegen, die in den beiden Räten zur Diskussion standen, sind zwar nicht identisch. Schliesslich spricht Basel-Stadt jeweils Gesamtsubventionen an den Zoo, während Basellands Unterstützung teils zweckgebunden ist. Doch beide Sparanträge der Regierungen laufen auf dasselbe hinaus: keine gratis Zolli-Eintritte mehr für Schulklassen aus beiden Basel. Verschieden sind die Preisschilder: In Basel geht es um 450 000, in Baselland um 85 000 Franken.

Nachdem der Budgetantrag zur Wiedereinstellung der 85 000 Franken am Mittwochabend im Landrat aus Zeitgründen noch nicht behandelt werden konnte, war es heute Donnerstagmorgen nun so weit. Und die Landräte enttäuschten die auf der Zuschauertribüne anwesenden Schulklassen nicht: Mit 55 Ja- zu 32 Nein-Stimmen sprachen sie das Geld für 2017. Dieser Erfolg war möglich, da sich diverse Bürgerliche von FDP und SVP nicht an die Fraktionsmeinung hielten und sich gegen die Sparmassnahme der Regierung stellten. Die CVP/BDP-Fraktion war gar einstimmig für das Budgetpostulat, das natürlich auch von SP und Grünen/EVP unterstützt wurde.

In Basel hingegen erhielt die Regierung am Mittwoch erst klare Zeichen, dass ihr Sparvorschlag scheitern wird. Konkret möchte sie ja die Subventionen für den Tierpark um 450 000 Franken auf rund eine Million pro Jahr kürzen. Dies als Teil eines gross angelegten Entlastungsmassnahmenpakets, welches im Frühjahr 2015 vorgestellt wurde.

Das letzte Wort in dieser Sache wird das Basler Parlament haben. Weil die Vorlage aber aufgrund der schwierigen Verhandlungen zwischen Regierung und Zoo Verspätung hat, wollte die Finanzkommission am Mittwoch bereits präventiv das Kulturbudget um die 450 000 Franken aufstocken. Damit wäre die Diskussion um die Sparpläne beim Zoo bereits erledigt gewesen, bevor sie richtig angefangen hat. «Wir wurden vom Zolli in Kenntnis gesetzt, dass es für ihn ohne die Subventionen sehr schwierig wird», sagte Patrick Hafner (SVP), Präsident der Finanzkommission. Die bisherige Unterstützung des Kantons sei richtig gewesen.

Regierungspräsident Guy Morin zeigte sich dagegen erstaunt, dass am Schluss eines Sparpakets eine einzelne Massnahme herausgegriffen und aufgehoben werden soll. «Wir sind dem Zoo gegenüber weiterhin grosszügig», sagte Morin. Auch sei der Zoo gut aufgestellt: So habe er in den letzten Jahren mit mehr Eintritten die Einnahmen steigern können. Auch stehe eine «mässige Erhöhung der Eintrittspreise» zur Diskussion.

Ausserdem dürfe man nicht vergessen, dass der Zolli letztes Jahr 17 Millionen Franken an Spenden erhalten habe, drei davon nicht zweckgebunden, argumentierte Morin.

Petition mit 7738 Unterschriften

In der Debatte wurde schnell klar, dass der Änderungsantrag der Finanzkommission keine Chance haben wird. Was allerdings nicht an der mangelnden Unterstützung für den Zoo lag. «Ja zum Zolli, Nein zu diesem Antrag», fasst LDP-Grossrat Michael Koechlin, der früher als Kulturchef selber die Subventionsverhandlungen führte, die Meinung zusammen. Sein Bauchgefühl sage ihm, dass man der geplanten Kürzung sehr kritisch gegenüber stehen werde, wenn der Ratschlag nächstes Jahr behandelt wird, meinte auch Remo Gallacchi (CVP). FDP-Grossrat Peter Bochsler versuchte noch vergeblich, seine Kollegen mit dem Blick über die Kantonsgrenze zu überzeugen. «Wenn wir jetzt schmürzeln, ist das ein schlechtes Signal nach Liestal.»

Dass dieser Entscheid gegen Sofortmittel aber mit der klaren Aussicht auf eine Korrektur 2017 beim Landrat nicht für Verstimmung sorgte, zeigte ja heute das klare Verdikt pro Zoo. Und dass für eine von der Baselbieter Lehrerschaft am Mittwoch bei der Landeskanzlei eingereichte Petition in kürzester Zeit 7738 Unterschriften zusammen kamen, dürfte auch dem letzten Volksvertreter gezeigt haben, dass das Volk beim Zolli keinen Spass versteht.