Die Welt wird immer schneller. Präziser. Besser. Unter 400PS traut man sich ja kaum mehr aus der eigenen Garage. Mit Turboladern, Kompressoren, Doppelkupplungen, Launch-Control, Leichtbau und hochsensiblen Steuergeräte erziehen die Hersteller ihre Sportwagen zu den perfekten Maschinen. Doch wie ist das mit dem Fahren? Meist wie mit der Computernutzung: Anwenderfehler. Deshalb gibt es Fahrerlebnisschalter, Sport-Modi, ja sogar Sport-Plus-Modi. Man lässt den Piloten im Gefühl er wäre Walter Röhrl, ganz ein grosser Virtuose am Lenkrad und im Hintergrund werkeln die Sicherheitsnetze fleissig weiter.

Um zu erfahren wie es sich anfühlt, wenn man auf sich alleine gestellt ist, keine Traktionskontrollen den Gaseinsatz wegnehmen und keine Stabilitätsprogramme den Dreher abfangen, sind wir wieder in die Schule gegangen. Die Porsche Sport Driving School am Polarkreis im finnischen Rovaniemi. Dort ging es vor allem um Gefühl. Gefühl für den Grip der Strecke, den Lenkeinschlag und den Gaseinsatz. Denn das Gefühl ist es, was durch den ganzen Knöpfchen-Fortschritt verloren gegangen ist. Ein hartes Fahrwerk und ein aggressives Gaspedal hat mit sportlichem Fahren nämlich exakt so viel zu tun, wie ein Mitsubishi iMiev mit der Lösung künftiger Mobilitätsprobleme.

Und so mussten wir unser Gefühl auch wieder etwas schärfen.

Trotz eindringlicher Warnung des Instrukteurs, es zu Beginn doch lieber ruhig angehen zu lassen, rief unser 911 mehr als einmal nach dem rettenden Cayenne, um aus der Schneewand befreit zu werden. Denn muss man auf trockener Strasse meist doch etwas hart zum Material sein, um ein wenig mit dem Heck zu wedeln, geht das auf Schnee und Eis ganz locker. Man peilt das Slalomtor an, zupft kurz am Lenkrad, lässt den Elfer wegschmieren. Dann fängt man das Heck wieder ein, hält dabei die Drosselklappen weit geöffnet und schon schaufelt der 911 den Schnee meterhoch durch die finnischen Weiten. Schön. Richtig schön.

Doch müssen wir uns danach am Funk anhören, dass die Drift-Einleitung mit dem Gaspedal doch eher in Richtung Holzfäller als Kankkunen oder Mäkinen geht. Und so müssen wir bremsen. Hart bremsen. Und vorher die Lenkung eingeschlagen haben. Denn so kickt der Elfer sein entlastetes Heck ganz elegant raus. Man wartet, bis sich der gewünschte Driftwinkel eingestellt hat, lenkt gegen und legt gefühlvoll das Gas an. Schon fräst sich der 911 bei 3000 Touren im Zweiten lässig durch den Schnee. Und dann ist es auch egal wie der Parcours abgesteckt ist, ob langgezogen bergauf, eng bergab, durch einen 300°-Kreis oder einen engen Slalom. Alles geht. So unaufgeregt, so elegant. Ohne grosse Anstrengung, ohne Hektik am Lenkrad und mit wohldosierten Gasbefehlen wedelt der Porsche durch die Hütchen. Am Ende fast wie von selbst.

Porsche Camp4
Porsche Camp4
Quelle: HO

Irgendwann ist dann aber selbst ein Elfer geschafft. Der Tank leer, das Reifendruckkontrollsystem signalisiert zwei Platten, die Frontschürze trägt einen Kubikmeter Schnee spazieren und die hintere Stossstange ist etwas deformiert. Aber es war die Mühe wert. Denn nur so macht Auto fahren Spass. Im Grenzbereich. Auf Messers Schneide. Nur Du und die Maschine. Dort wo sich die Spreu von Weizen trennt. Das Gefühl zu wissen, dass man es selbst im Griff hat, nicht irgendein adaptives Spassmachsystem, das Dich in jeder Situation bevormundet. Gegenlenken, ja, wir können es noch. Ein schönes Gefühl.

Wer diese Gefühl auch gerne erleben möchte, findet nähere Infos zum Camp bei Porsche.  Natürlich gibt es auch zahlreiche andere Fahrzeughertseller, welche ebenfalls Trainings auf Schnee und Eis anbieten.