Etwas Kompromissbereitschaft ist schon gefragt, wenn man das Cabrio auch im Winter offen fährt. Nicht etwa aufgrund klammer Finger oder kalter Ohren. Man muss lediglich mit ein paar verwunderten Blicken von Passanten leben können. Es sei ihnen verziehen, schliesslich können sie ja nicht wissen, dass man keineswegs hartgesottener und kälteresistenter Freiluftfanatiker sein muss, um dieses Cabrio bei Minusgraden offen zu fahren. Zwei Windabweiser, vorne auf dem Scheibenrahmen und hinter den Rücksitzen, leiten den Luftstrom über die Insassen hinweg. Auf den Vordersitzen sorgen Sitzheizung und Warmluftgebläse am Nacken zusätzlich für wohlige Wärme. Perfekte Bedingungen, um das Cabrio-Feeling auch im Winter auszukosten, ohne zu frieren. Die Rückbank ist ohnehin eher für gelegentliche Mitfahrer oder für Gepäck gedacht; denn der bei geschlossenem Verdeck geräumige Kofferraum lässt sich lediglich per Knopf im Innenraum oder per Schlüssel, nicht aber an der Heckklappe öffnen.

Bei offenem Verdeck kommt dann auch der Klang noch besser zur Geltung, was beim getesteten AMG C43 immer wieder eine Sünde wert ist. Der C43 ist der Zwischenschritt zwischen den braven Serienmodellen und dem hochgezüchteten AMG C63 mit bis zu 510 PS. Mit 3-Liter-Biturbo-V6 und Allradantrieb bietet er souveräne Kraft in allen Lebenslagen, sichere Traktion und einen kernigen Klang. Dank 367 PS und verschliffen arbeitender 9-Gang-Automatik ist der Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden möglich. Das Fahrwerk erhält eine sportlichere Abstimmung, ist aber nach wie vor per Knopfdruck verstellbar, sodass das C-Cabrio nicht an Fahrkomfort einbüsst. Denn: Der Reiz des AMG C43 liegt nicht im hektischen Kurvenräubern, sondern viel eher im gepflegt schwungvollen Gleiten, unterlegt vom satten, aber nicht überdrehten Klangteppich des V6 mit Sportabgasanlage.

Dass man auch wirklich jeden Sonnenstrahl geniessen kann, dafür sorgt zudem das elektrische Verdeck. Es lässt sich nämlich auch während der Fahrt bis knapp 60 km/h öffnen und schliessen. So braucht man sich auch vor spontanen Niederschlägen nicht zu fürchten. Ist das Verdeck geschlossen, bietet es für ein Stoffdach sehr gute Wärme- und Schallisolierung. So wird es im edel gestalteten Cockpit auch im Autobahn-Tunnel nicht übermässig laut. Das Interieur wirkt Mercedes -typisch hochwertig. Hübsch designt und mit hochwertigen Materialien, die durch und durch solide wirken. Nur der Navigations-Bildschirm auf der Mittelkonsole wirkt nicht ganz so harmonisch integriert. Auch die Bedienung erfordert etwas Eingewöhnung, da die Menüs teilweise eher verzettelt angeordnet sind. Doch diese Zeit nimmt man sich im gediegenen Cabrio gerne – sofern man es sich leisten kann. Das C-Klasse-Cabriolet ist zwar bereits ab 44 900 Franken zu haben, die AMG-Allrad-Variante kostet aber mindestens 79 401 Franken. Mit einigen Extras wie dem empfehlenswerten Cabrio-Komfortpaket (1490 Franken) oder dem sehr guten, adaptiven Fernlicht (831 Franken) kann der Preis auch sechsstellig werden. Dafür geht der Verbrauch gemessen an Fahrerlebnis und Leistung in Ordnung. 8,5 bis 10 l/100 km sind es, je nach dem, wie oft man offen beheizt den Winter geniesst.