Sehen wir es zunächst einmal positiv. Die protzige Zurschaustellung von unermesslichem Reichtum kann – wer will – als Demonstration der Stärke werten. So gesehen ist die saudische Königsfamilie mit ihrem Oberhaupt König Salman ausgesprochen stark. Seit Ende Februar befindet sie sich auf sechswöchiger Asienreise, die sie nach Brunei, Indonesien, Japan, China und auf die Malediven bringen wird.

Auf der Reise will man das Angenehme mit dem Geschäftlichen verknüpfen. Und um das zu gewährleisten, reisen rund 1500 Personen in der Gefolgschaft mit. Es sei, betonten Palastinsider in Riad, das «übliche Gefolge», das den gebrechlich wirkenden König Salman auf seinen Ausflügen begleitet: Wichtige Prinzen, hochrangige Minister, Ärzte und Berater für alle Lebenslagen sowie Diener und eine Hundertschaft schwer bewaffneter Leibwächter.

Übergepäck ist auf der Reise nach Fernost kein Problem. Sechs Jumbojets transportieren insgesamt 506 Tonnen Fracht, um die sich beim Zwischenstopp in Indonesien nach Meldungen einer lokalen Nachrichtenagentur 572 Träger kümmerten.

Extravaganzen dank Lohnkürzungen

Zusätzlich zur goldbeschichteten Rolltreppe mussten zwei Laufbänder eingeflogen werden. Schliesslich wollte der 81-jährige Monarch beim Verlassen und Besteigen seiner Privatmaschine einen guten Eindruck hinterlassen. Einen kritischen Moment erlebte der König, als während eines Wolkenbruches auf Bali gleich sieben seiner Begleiter gleichzeitig riesige Regenschirme aufspannten. Da wirkte seine Majestät schon ein wenig verunsichert.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, was der Asien-Trip der königlichen Familie al Saud den saudischen Staat am Ende kostet. Schliesslich sind die Ölpreise massiv gesunken. Und das Defizit im Staatshaushalt betrug schon 2016 rund 90 Milliarden Euro. Es war ein für saudische Verhältnisse eher kleiner Fehlbetrag, den König Salman sofort auszugleichen versuchte.

Per Dekret kürzte er seinen Ministern die Gehälter um einen Fünftel. Selbst ihre privaten Telefongespräche sollen die Wesire fortan selber bezahlen. Sehr viel härter traf es die gemeinen Angestellten im öffentlichen Dienst. Ihre Überstunden werden künftig schlechter bezahlt. Zusammengestrichen wurde auch das Urlaubsgeld. Zusätzliche Belastungen bringt die Einführung einer Mehrwertsteuer. Man könnte also glatt behaupten, dass das «einfache Volk» für die Extravaganzen der königlichen Familie bluten muss – und, wer weiss, eines Tages Gerechtigkeit fordert, was in der arabischen Welt bekanntlich Folgen haben kann.

Nachbarn hungern, Salman protzt

Wie stark die königliche Reise letztlich aber zu Buche schlägt, weiss niemand. Zahlen werden nicht genannt. Wie in einigen mitteleuropäischen Ländern gilt auch in dem Wüstenkönigreich die Devise: «Über Geld spricht man nicht, Geld hat man». Genug. Noch.

Nun fragt es sich, ob ein König, der sich mit dem Ehrentitel «Hüter der Heiligen Stätten von Mekka und Medina» schmückt, nicht eher als Kämpfer für die Barmherzigkeit statt als grosser Protzer in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten sollte, auch wenn er im Protzen eine «Demonstration der Stärke» sehen mag. Barmherzigkeit verlangt der Koran schliesslich in jeder seiner 114 Suren. 20 Millionen Jemeniten, die südlichen Nachbarn der Saudis, sind auf internationale Hilfslieferungen angewiesen. Benötigt werden 2,1 Milliarden Dollar. Bislang eingegangen, klagt die UNO, seien lediglich 91 Millionen. Wie wäre es denn, wenn Seine Majestät die Differenz bezahlen würde und das nächste Mal, um zu sparen, mit kleinerem Gefolge reiste?