Die Züge der S27 ins untere Aaretal werden vorwiegend von den Lokführern des Depots Brugg gefahren. Während der Stosszeiten stellt die SBB von Zweier- auf Dreierkompositionen um, dies geschieht in der Regel im Bahnhof Baden. Der Vorgang des An- beziehungsweise Abhängens von Kompositionen nennt sich kuppeln und wird laut Mediensprecherin Lea Meyer «in der Regel von Rangierpersonal und teilweise von Lokpersonal durchgeführt.»
Die SBB besitzt Fahrzeuge mit und ohne automatische Kupplungen. «Die neueren Fahrzeuge sind in der Regel mit einem automatischen Kupplungssystem ausgerüstet», sagt Meyer. Bei den Dominokompositionen handelt es sich aber um rund 20-jährige Nahverkehrspendlerzüge und Steuerwagen, welche modernisiert und mit neuen Zwischenwagen versehen wurden. Sie haben keine automatische Kupplung, müssen also von Hand gekuppelt werden.
Da die Rangierer aber hauptsächlich in Brugg stationiert sind, soll diese Aufgabe nun von den Lokführern durchgeführt werden. Das bedeutet, dass sich diese spezielle Arbeitskleidung und Helm anziehen müssen, um die mechanische Kupplung einzuhängen und festzuschrauben, sowie die pneumatische und die elektrische Verbindung herzustellen.
Verhandlungen laufen
Die geplante Aufgabenverschiebung führte zu Unmut bei den betroffenen Lokführern. Auch Meyer bestätigt: «Vonseiten der Gewerkschaften sind gewisse Vorbehalte bei der SBB deponiert worden - deshalb steht die SBB momentan mit Lokführern und deren Sozialpartnern in Kontakt.» Wer schliesslich das Kuppeln der Züge übernimmt, ist noch nicht sicher. «Die genaue Zuschreibung, welche wer welche Aufgaben bei der Zugsvorbereitung übernimmt, wird im Rahmen der Jahresfahrplanplanung definiert und zwischen den involvierten Abteilungen festgelegt. Die Planung für den Fahrplan 2012 wird momentan noch ausgearbeitet», erklärt Meyer die Situation.
Tochtergesellschaft rüstet um
Die SBB habe auf die Aufrüstung mit automatischen Kupplungen aus verschiedenen Gründen verzichtet, sagt Meyer: «Einerseits wird so die Bildung einer Unterflotte - also Dominozüge mit und ohne automatische Kupplung - unterbunden, was technische Abläufe vereinfacht. Zudem stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition.» Es handle sich zwar bei der S27 um eine Linie, bei der die Züge um Kompositionen erweitert oder verringert würden, die meisten Dominofahrzeuge würden aber von morgens bis abends in der gleichen Stärke verkehren, also mit der gleichen Anzahl Kompositionen.
Anders sieht es beim Regionalverkehrsunternehmen RegionAlps aus, das ebenfalls 13 Dominozüge im Einsatz hat. Die Walliser Züge werden zurzeit mit den automatischen Kupplungen nachgerüstet. «RegionAlps ist eine Tochtergesellschaft der SBB, die selbstständig über Zugbeschaffungen entscheidet und sie auch selbst finanziert», meint Meyer.