Die H. Erne Metallbau AG aus Leuggern hat den Konkurs angemeldet. Das bestätigt Roland Laube vom Konkursamt Brugg: «Heute Morgen um 9.30 Uhr ist der Konkurs über die Firma vom Bezirksgericht Zurzach eröffnet worden», sagte der Konkursverwalter am Mittwoch.

Gemäss Informationen der az hatte der Verwaltungsrat die Bilanz beim Bezirksgericht am Dienstag deponiert. Andreas Lütschg, mit seinem Bruder Melchior Besitzer des Traditionsunternehmens, hat die Mitarbeiter am selben Tag am Firmensitz in Leuggern informiert. «Er hat uns gesagt, dass es die Firma ab Donnerstag nicht mehr gibt», sagt eine resignierte Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Geschäftsführer Christian Aerni sei am Freitag das letzte Mal in der Firma gesehen worden.

H. Erne Metallbau AG ist konkurs

In Leuggern verlieren 70 Angestellte ihren Job. Die Traditionsfirma Erne Metallbau AG hat diese Woche beim Bezirksgericht ihre Bilanz deponiert.

Von den zirka 70 Mitarbeitenden sollen 20 bis 25 in einer Auffanggesellschaft weiterbeschäftigt werden. Das Kapital stellt die Fäh Maschinen- und Anlagenbau AG aus Glarus, die ebenfalls im Besitz der Brüder Lütschg ist. «Wir starten bei Null», sagt Andreas Lütschg.

Ex-Preisüberwacher VR-Präsident

Andreas und Melchior Lütschg gaben der H. Erne Metallbau AG Ende 2014 ein erstes Darlehen. Per 1. April 2015 übernahmen sie von Hans Erne, dem Firmengründer und langjährigen Patron, 97 Prozent des Aktienkapitals. Die Leuggermer Traditionsfirma befand sich schon damals in Schieflage. Lütschg erklärt: «Für einen Grossauftrag wurde im Jahr 2011 viel zu tief offeriert.»

Der Stausee am Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis.

Der Stausee am Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis.

Es handelte sich um Stahlwasserbauarbeiten für das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis, das in zwei Jahren am zweitgrössten Stausee der Schweiz fertiggestellt werden soll. «Der Grundstein für den Konkurs ist damals gelegt worden», so Lütschg. Vorübergehend standen am Jahrhundertbauwerk über 60 Schweisser und Monteure für das Leuggermer Unternehmen im Einsatz.

10 Millionen Franken abgeschrieben

Bei der Übernahme haben die Brüder Lütschg das Leuggermer Unternehmen saniert. Auch Gläubiger hätten auf Forderungen verzichtet. Heute sagt Andreas Lütschg: «Damals gingen wir von einer Million Franken aus, die fehlt. Doch die Zahlen der Buchhaltung haben hinten und vorne nicht gestimmt.» Man habe das nicht bemerkt. «Jetzt müssen wir die Konsequenzen tragen.» Die Firma ist überschuldet. Bis zum Konkurs mussten 10 Millionen Franken abgeschrieben werden, sagt er.

Den Löwenanteil trägt die Firma Fäh. Auch Banken, Lieferanten und andere Gläubiger hätten Verluste hinnehmen müssen. Die Augustlöhne seien gezahlt worden, ebenso die Sozialleistungen. Verwaltungsratspräsident Werner Marti ergänzt: «Es ist unser Anliegen, dass wir damit Arbeitsplätze erhalten und laufende Aufträge fertig führen können.» Marti, während 16 Jahren Glarner SP-Nationalrat und ehemaliger Preisüberwacher, ist selbst weder an der einen noch der anderen Firma beteiligt.

Neuanfang am selben Standort

Die Auffanggesellschaft soll am selben Standort in Leuggern gegründet werden. «Wir möchten möglichst schnell starten», sagt Lütschg. Wann dies Fall sein kann, sei noch unklar. Als Nächstes muss sich nun das Konkursamt einen Überblick verschaffen. «Wir werden mit den Verwaltungsräten zusammensitzen und den Sachverhalt prüfen», sagt Konkursverwalter Roland Laube. Hans Erne war bis zuletzt Verwaltungsrat des Traditionsunternehmens und operativ in der Akquisition von Aufträgen tätig. Dass er auch für die Auffanggesellschaft tätig sein werde ist offen, sagt Andreas Lütschg.

Die H. Erne Metallbau AG

Den Namen hat das Unternehmen von seinen Hans Erne, der das mittelgrosses Stahl- und Metallbauunternehmen 1980 in einer Garage im elterlichen Hof in Leuggern gegründet hat. Sein KMU wurde zu einer der führenden Schweizer Firmen im Stahlwasserbau und stand bei einigen Wasserkraftwerk-Bauten im Einsatz. Weitere wichtige Geschäftsfelder waren der Stahlbau und die Umwelttechnik. Die Firma zählte grosse Namen zu ihren Kunden, etwa ABB, Axpo, Alstom respektive General Electric, Alpiq, BKW, oder Holcim.

In einer Mitteilung der H. Erne Maschinenbau AG zur Übernahme der Brüder Lütschg aus Glarus, denen auch die Firma Fäh Maschinen und Anlagenbau gehört, hiess es: "Die Kernkompetenzen beider Firmen ergänzen sich optimal. Das erklärte Ziel beider Firmen besteht darin, die Selbständigkeiten der H. Erne Metallbau AG und der Fäh Maschinen und Anlagenbau AG zu erhalten und die bestehenden Synergien gegenseitig zu nutzen. Wir sind überzeugt, dass durch diese neue Konstellation beide Firmen eine noch höhere Marktpräsenz, eine verbesserte Angebotspalette und damit einen echten Mehrwert für ihre Kunden realisiert haben." Die Geschichte des Unternehmens endet mit dem Konkurs, den das Bezirksgericht Zurzach am 28. September 2016 eröffnet hat.