«Ich hasse Konfetti», meinte ein Vater etwas genervt zu seinem Töchterchen. Das hätte er sich wohl eher überlegen müssen. Schliesslich hatte er ja das kleine Mädchen mit einem Riesensack der beliebten Papierchen ausgerüstet. Und mit einer Konfetti-Phobie dürfte er am Würenlinger Fasnachtsumzug wohl definitiv am falschen Platz gewesen sein.

An diesem Umzug - unterdessen dem 45. seiner Art - gab es natürlich mehr als bloss Konfetti. Viel mehr. 42 Nummern paradierten vor dichten Zuschauerspalieren. Die Fasnachtsgesellschaft Würenlingen hatte gerufen, und alle waren sie gekommen. Sogar das Vreni Schneider - akustisch wenigstens - mit seinem «Kafi am Pistenrand», der mittlerweile Kultstatus geniesst.

Ein fahrendes Medizinmuseum

Den Weg nach Würenlingen gefunden hatte auch «Dr. Mörgeli samt seinen Sörgeli» und einem fahrenden Medizinmuseum mit grauslichen Präparaten in Konfitürengläsern. Und die Würenlinger Reederei AG, die sich dieses dankbaren Themas angenommen hatte, reimte zum Totentanz-Fachmann Mörgeli: «Am Tage kämpft er mit den Roten -- und nächtens tanzt er mit den Toten».

Aber auch VBS-Chef Ueli Maurer war in Würenlingen anzutreffen, und das gleich zweimal. Einmal huldvoll winkend vom Wagen der Untersiggenthaler Flue-Geischter und einmal als riesiger Charakterkopf mit Gripen-Fiebermesser bei den Steibruchschränzern. Apropos Birne: «Ausgeglüht - Glühbirne ade», stellte die Fasnachts AG in ihrem aktuellen Beitrag zur Energiewende fest. Und die Wuerlikids warnten: «Achtung die Deutschen kommen». So schlimm, wie es angesichts ihrer «Steinbrückschen Dampfkavallerie» mit dem riesigen Bundesadler vorerst aussah, scheint es jedoch nicht zu werden. Immerhin zapften sehr blondgezopfte deutsche Maiden freigebig «kühles Blondes». Keller und Meiers Kinder brachten zwei unbestrittene Sympathieträger nach Würenlingen: Die beiden Steinböcke aus der Bündner Tourismuswerbung. Sie machten diesmal aber nicht etwa für Pisten oder gar für B-B-Bündnerfleisch Reklame, sondern für die B-B-Bündner-Olympiade 2022 und zwar mit dem liebenswürdigen Spruch: «Freu Dich, lieb mich, zahl mich - dangga, Ihr Unterlender».

Zwischen den meist riesigen Wagen zirkulierten viele kleine Gruppen und natürlich prächtig anzusehende und phonstarke Guggenmusiken, und eine bolivianische Volkstanzgruppe zauberte ein Stück südamerikanischen Karnevals ins trotz Sonnenschein, rein witterungsmässig, eher kühle Würenlingen.

Schwer zu sagen, was da einmal mehr zu bewundern war: Die Fantasie der Sujetgestalter, das technische Können, mit dem die Ideen umgesetzt werden oder die Begeisterung der Würenlinger Fasnächtler und ihres Zuzuges aus der näheren und weiteren Umgebung. Der Würenlinger Fasnachtsumzug war jedenfalls schrill, schräg und laut, wie es ein Fasnachtsumzug zu sein hat.