Vor allem stehe man in der Öffentlichkeit, wenn in den ersten fünf Minuten nach Einsetzen eines Schneefalls noch nicht alle Strassen schwarz geräumt sind, sagt Fridolin Vögtlin. Nach 40 Jahren und 2½ Monaten im Dienste des Kantons ist Fridolin Vögeli Ende Januar in den Ruhestand gegangen. (Die az Aargauer Zeitung hat über die Verabschiedung berichtet.)
Zeichner statt Lehrer oder Pfarrer
«Eigentlich wollten sie aus mir einen Lehrer oder einen Pfarrer machen», meint Fridolin Vögeli, der die ersten fünf Jahre seines Lebens in Eien in der Gemeinde Böttstein verbracht hat. Dort führten seine Eltern einen kleinen Bauernbetrieb, bevor sie nach Würenlingen zogen, wo Fridolin Vögeli auch heute noch lebt. «Ich entschloss mich aber, beim damaligen Geometer Häfeli in Brugg eine Lehre als Vermessungszeichner zu machen», erklärt er. «Ich bin jedoch nie ein typischer Vermesser geworden.» Nach der Lehre absolvierte Fridolin Vögeli denn auch an der damaligen HTL Brugg-Windisch ein Bauingenieurstudium und er hat, wie er betont, den Wechsel zum Bau nie bereut.
Beim Baudepartement des Kantons Aargau verdiente er seine Sporen bei der Verkehrsplanung ab und wechselte dann zum Strassenbau. Im Zurzibiet leitete er die Projekte für die Bahnüberführung in Rekingen, für den Strassenausbau in Felsenau oder auch für die Umfahrung von Koblenz. Noch vor dem Spatenstich für diese Umfahrung mit dem integrierten Hochwasserschutzdamm übernahm er die Leitung des Autobahnunterhalts. In diese Zeit fiel das Projekt für die Sanierung der A1 zwischen Lenzburg und Rothrist. Ab 1996 war er -- bis zur Übernahme des Autobahnunterhalts durch den Bund – für die Leitung des gesamten Strassenunterhaltsdienstes zuständig.
«Flicken, bevor Löcher da sind»
«Strassenunterhalt heisst Eingreifen, bevor die Löcher im Belag da sind», bringt er die Sache auf den Punkt. «Zum Unterhalt gehört aber auch die Grünpflege. Das war mir ein grosses Anliegen – ja geradezu ein Hobby.» Wenn beim Mähen einzelne Blümchen am Wegesrand stehen gelassen wurden, freute ihn das -- und es trug dem Strassenunterhalt sogar das Lob der Bienenzüchter ein. Beim Unterhaltsdienst denkt man automatisch an den Winterdienst. «Der Aargau ist nicht ganz so flach, wie man gemeinhin annimmt», gibt Fridolin Vögeli zu bedenken. «Neben den Juraübergängen erfordern auch die Übergänge über die Hügelzüge im Süden des Kantons oft Winterdienst.» Und zu diesem Winterdienst gehört das Salz, das in den vergangenen Wintern in der Schweiz immer wieder knapp wurde. «Wenn alle andern kein Streusalz mehr hatten, hiess es: der Vögeli Fridolin hat noch welches. Allerdings war es oft nur noch ein kleiner Rest.»
Sportliche Ziele
Und jetzt im Ruhestand? «Ich werde etwas mehr Zeit fürs Joggen mit dem Hund haben», stellt Frühaufsteher Vögeli fest. «Die erste Runde werde ich nicht mehr schon morgens um 5 Uhr, sondern vielleicht erst um 7 Uhr drehen. Vielleicht habe ich wieder mehr Zeit für den Skilanglauf und vielleicht komme ich dazu, anstelle von Fachliteratur ein Buch zu lesen. Ich habe aber auch noch sportliche Ziele. Die verrate ich jedoch nicht, sonst setze ich mich selber unter Druck.» Wenn man aber erfährt, dass Fridolin Vögeli nicht nur alle grossen Skilangläufe der Welt absolviert hat – unter anderem sechsmal den Wasa-Lauf – und dass er den legendären Bieler 100-Kilometer-Strassenlauf in 10 Stunden geschafft hat, kann man erahnen, dass die sportlichen Ziele hochgesteckt sind. «Dabei zu sein und das Ziel zu erreichen, ist etwas Schönes», räumt er bescheiden ein.